Die Weltmeister sollen es richten

Joachim Löw geht mit 27 Spielern in die EM-Vorbereitung, nur ein Name überrascht dabei wirklich

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Bundestrainer kann bei der EM auf ein immer noch funktionierendes Weltmeisterteam setzen. Drei neue Namen haben es in den vorläufigen Kader geschafft.

Reinhard Grindel hat sicherlich nicht zu viel verraten. Etwas ungelenk formuliert, vielleicht sogar ein wenig unprofessionell waren die Sätze des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Dienstag aber schon. »Ich habe schon einige Interviews des Bundestrainers gelesen, die bald erscheinen werden«, sagte er in der Französischen Botschaft in Berlin. Anlass war die Präsentation des vorläufigen DFB-Kaders für die Europameisterschaft in diesem Sommer in Frankreich. Zu diesem Turnier fahre Joachim Löw, um es zu gewinnen, sagte Grindel. Erstaunen löste er damit nicht aus. Beim Smalltalk mit dem Gastgeber, dem französischen Botschafter Philippe Etienne, wirkte er etwas zu bemüht locker.

Für Grindel sind solche Termine noch Neuland, es ist sein erstes Turnier als DFB-Präsident. Für Joachim Löw ist es bereits das fünfte als verantwortlicher Bundestrainer. Entsprechend souverän trat er auf. Von Stress keine Spur: grauer Anzug, schwarzer Pullover, gut gebräunt, meist ein Lächeln im Gesicht und voll positiver Überzeugung. »Wir sind stark, das wissen wir.«

Die Gewissheit des Bundestrainers findet sich auch in den Namen der 27 Spieler wieder, die er in den vorläufigen EM-Kader berufen hat. 14 Weltmeister sind darunter, 13 haben schon die EM vor vier Jahren gespielt. »Die Strukturen und das taktische Konzept stehen«, sagte Löw. Er kann in Frankreich auf eine sehr erfolgreiche Mannschaft bauen, die sich aber immer noch nicht überlebt hat. Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos, Thomas Müller, Sami Khedira, Mesut Özil, Mario Götze oder Marco Reus: Diese Namen flößen jedem Gegner Respekt ein.

Drei Neulinge gibt es im Aufgebot. Die Mittelfeldspieler Julian Weigl aus Dortmund und der Münchner Joshua Kimmich haben es mit konstant guten Leistungen auf höchstem Niveau in den Kader geschafft. Die einzige wirkliche Überraschung ist Julian Brandt, der sich in Leverkusen erst in den letzten Wochen so richtig in den Vordergrund spielen konnte. »Die Freude spürte man durchs Telefon«, erzählt Löw von den Gesprächen vom Vormittag mit den drei Neuen. Ob einer von ihnen eine entscheidende Rolle in Frankreich spielen wird, ist eher zu bezweifeln. Vom Anforderungsprofil und der Position ist es am ehesten Julian Weigl zuzutrauen. Beim BVB ließ er Ilkay Gündogan, der auch bei der EM verletzt fehlen wird, fast vergessen. Der 20-Jährige beherrscht in der Mittelfeldzentrale Ball, Raum und Gegner, hat eine gute Spieleröffnung, macht kaum Fehler und findet Lösungen auch unter Druck.

Vier Namen muss Joachim Löw bis zum 31. Mai noch streichen. Gut möglich, dass alle drei neuen darunter sind. Oder auch Leroy Sané vom FC Schalke, der bislang erst ein Länderspiel absolviert hat. Nur eine Woche bleibt dem Bundestrainer, Eindrücke aus dem Trainingslager (ab 24. Mai in Ascona) und dem Länderspiel fünf Tage später in Augsburg gegen die Slowakei in seiner Entscheidung zu berücksichtigen. Auch das spricht dafür, dass er bei der am 10. Juni beginnenden EM größtenteils auf Altbewährtes setzen wird. Mögliche Verletzungen und der Zustand von Rekonvaleszenten wie Bastian Schweinsteiger oder Benedikt Höwedes können die Pläne noch beeinflussen.

Konkret wurde Joachim Löw nicht. Aber nicht nur Reinhard Grindel weiß, was der Bundestrainer in Frankreich erreichen will. Als Weltmeister ist es der EM-Titel. Dafür will Löw in den verbleibenden drei Wochen nun »ein bedingungsloses Miteinander für ein gemeinsames Ziel schaffen«.

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