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Angst um die Jobs

Hunderte Siemens-Mitarbeiter protestieren bei Aktionstag gegen Stellenstreichungen

  • Von Sebastian Knurrhahn
  • Lesedauer: 3 Min.
Bei Siemens sollen im Zuge des Umbaus viele Arbeitsplätze wegfallen. Dagegen lehnen sich die Beschäftigten nun gemeinsam auf.

Die Brücke über dem Werksgelände von Siemens in der Nürnberger Südstadt wurde am Mittwoch kurzerhand in »Brücke der Solidarität« umgetauft. Zusammen mit Delegationen aus anderen Betrieben protestierten dort über 2000 Metaller unter dem Motto »Siemens bleibt in Bayern« gegen den geplanten Stellenabbau. Auch in Bad Neustadt und Ruhstorf bei Passau hatte die IG Metall zu Kundgebungen aufgerufen. »Wir fordern, dass die Pläne zum Stellenabbau auf Eis gelegt werden und wir gemeinsam nach Lösungen suchen«, sagte Rudi Lutz, 2. Bevollmächtigter der IG Metall in Nürnberg gegenüber »nd«.

Siemens hatte angekündigt, wegen der Nachfrageflaute aus der Öl- und Gasbranche weltweit rund 2500 Jobs in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe abzubauen oder zu verlagern. Dabei sollen rund 2000 Jobs in Deutschland verschwinden, schwerpunktmäßig sind die bayerischen Standorte Nürnberg, Ruhstorf, Bad Neustadt und Erlangen betroffen.

Die Verhandlungen mit Beschäftigtenvertretern seien »konstruktiv, aber auch kontrovers« verlaufen, so Siemens-Arbeitsdirektorin Janina Kugel. Die geplanten Einschnitte in der Siemens-Antriebssparte sind aus ihrer Sicht unausweichlich: »Wir arbeiten alle daran, dass wir zu einem zügigen Einverständnis kommen.« Dafür werde man die Sommermonate nutzen. Deutschland müsse sich angesichts der Digitalisierung auf einen grundlegenden Wandel der Beschäftigung einstellen, so Kugel. »Arbeit wird es auch künftig geben, allerdings werden bestimmte Jobs verschwinden und bestimmte neue Berufsbilder dazukommen.« Ein Land wie Deutschland müsse das bewältigen. Als konkrete Alternative werde den Mitarbeitern etwa ein Wechsel ins neue Windkraftwerk von Siemens in Cuxhaven angeboten. Es sei das beste Beispiel für das Bekenntnis zum Standort Deutschland, so Kugel.

Demgegenüber sehen IG Metall und Betriebsräte bei den geplanten Maßnahmen des Konzerns eine strategische Grundsatzfrage. IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler sagte, Siemens ziehe seit Jahren schleichend Produktionskapazitäten aus Deutschland ab. Das sei nicht nur aus Beschäftigungssicht, sondern auch strategisch ein Fehler: »Nur die Abbildung der gesamten Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zu Vertrieb und Service gewährleistet, dass Siemens seine technologische Gesamtkompetenz als Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit langfristig und nachhaltig erhält.«

Gewerkschaft und Siemens-Betriebsräte fordern ein entsprechendes industrielles Konzept, das auf den Erhalt der Fertigungstiefe abzielt. Diese Forderung werde von der Mehrheit aller Siemens-Beschäftigten mitgetragen, so Wechsler. Bei den Protesten gehe es nicht nur um die Siemensianer der betroffenen Betriebe, sondern auch um die Zukunft von Siemens in Bayern und Deutschland. Deshalb könnten die Betroffenen auf die Solidarität anderer Siemens-Betriebe sowie Unterstützung aus Bevölkerung und Politik zählen.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatte zum geplanten Stellenabbau angekündigt, sie werde sich für sozialverträgliche Lösungen ohne betriebsbedingte Kündigungen einsetzen, könne den Abbau aber nicht aufhalten. Demgegenüber fordert die IG Metall Bayern von der Politik mehr Unterstützung ein. »Sie muss entschieden gegen die drohende Abwanderung hunderter hochqualifizierter Industriearbeitsplätze in andere europäische Länder eintreten und darf nicht einfach auf unternehmerische Entscheidungsfreiheit verweisen«, so Wechsler an die Adresse der bayerischen Staatsregierung.

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