Mehr als 900 000 Besucher kamen

Das Flaggschiff der sächsischen Industriemuseen feiert 25-jähriges Bestehen

Chemnitz. In rund 150 sächsischen Museen und Anlagen können Besucher Etappen der Industriegeschichte des Landes erleben. Doch für einen umfassenden Überblick über 220 Jahre Industrialisierung gibt es nur eine Anlaufstelle: Das Industriemuseum Chemnitz in einer ehemaligen Gießerei. Jetzt feiert das Flaggschiff der sächsischen Industriekultur 25-jähriges Bestehen.

Das Haus habe seit seiner Gründung 1991 nicht nur gute Zeiten erlebt, so sei die Finanzierung lange unsicher gewesen, sagt Museumsleiter Oliver Brehm im Rückblick. Am heutigen Standort gibt es das Museum erst seit 2003. »Aber mittlerweile ist es die dominierende sächsische Einrichtung in Sachen Industriekultur.«

In diesem Jahr hätten bereits mehr als 45 000 Menschen die im Sommer 2015 neu eröffnete Dauerausstellung gesehen. Nach 25 Jahren kommt das Museum demnach auf mehr als 900 000 Besucher, mehr als 100 Sonderausstellungen und 13 000 gezeigte Exponate.

»Der Stellenwert der Industriekultur ist im Freistaat in den letzten Jahren deutlich gestiegen«, sagt Brehm, der das Museum sowie den Zweckverband Sächsisches Industriemuseum seit Mai führt. In dem Verband haben sich neben dem Chemnitzer Leitmuseum die Energiefabrik Knappenrode, das Besucherbergwerk Zinngrube Ehrenfriedersdorf und die Tuchfabrik Gebr. Pfau in Crimmitschau zusammengeschlossen. Landesweit werde der Industriegeschichte inzwischen deutlich mehr Beachtung geschenkt, sagt auch Manuel Frey von der sächsischen Kulturstiftung. »Seit 2008 ist die Industriekultur ein wichtiges Landesthema, das auch die Politik als solches erkannt hat«, so der Leiter Projektbereich.

Nicht zuletzt der Fokus der Landesausstellung 2020 zeige, welche Bedeutung Sachsen dem Thema Industriekultur mittlerweile beimesse. Ausrichter sind neben dem Hauptakteur Zwickau unter anderem auch das Chemnitzer Industriemuseum sowie die Crimmitschauer Tuchfabrik.

25 Jahre nach der Wende soll keine reine Vergangenheitsbewältigung mehr betrieben werden. Stattdessen soll der Begriff Industriekultur zukunfts- und erlebnisorientiert weiterentwickelt werden. »Das heißt, wir wollen diese Schätze bewahren, aber sinnvoll nachnutzen. Wir können nicht aus allem ein Museum machen«, meint Frey.

Wie viel Geld das Land jährlich in Erhalt und Aufarbeitung seiner Industriekultur stecke, sei nur schwer zu beziffern, sagte ein Sprecher des Kunstministeriums. Die Förderungen seien zu vielfältig und beschränkten sich nicht nur auf Landesmittel. So erhielten Museen und Vereine beispielsweise Gelder aus Mitteln der Kulturräume, der Wirtschaftsförderung oder der Denkmalpflege. Allein der Zweckverband Sächsisches Industriemuseum bekommt demnach 1,7 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss sowie 400 000 Euro für Investitionen vom Land. dpa/nd

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