Korruption ohne Ende

FIFA-Vizepräsident Ángel María Villar Llona, seit 19 Jahren mit an der Spitze des Fußballweltverbandes, ist in Madrid verhaftet worden

  • Carola Frentzen, Christian Hollmann und Florian Lütticke, Madrid
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach dem Zugriff der spanischen Polizei droht dem nächsten FIFA-Strippenzieher der Untergang im Korruptionssumpf. Ángel María Villar Llona, Vizepräsident des Weltverbands und der Europäischen Fußball-Union UEFA sowie Chef von Spaniens Nationalverband RFEF, ist am Dienstag von der Guardia Civil vorläufig festgenommen worden.

Auch sein Sohn Gorka, früher Generalsekretär des südamerikanischen Verbandes Conmebol, und weitere Verdächtige kamen zunächst in Haft, wie die Polizei mitteilte. Der Vorwurf: Villar Llona soll unter anderem Gelder des Verbandes verwendet haben, um sich Vorteile zu sichern. Gegen ihn werde wegen Korruption, Fälschung und Unterschlagung ermittelt, hieß es.

Villar Llona ist ein Fußballboss alten Schlages, der schon länger im Zwielicht stand. Im November 2015 wurde er von der Ethikkommission der FIFA verwarnt und mit einer Geldstrafe belegt, weil er den damaligen FIFA-Ermittlern um Michael Garcia zunächst keine Aussage zur umstrittenen Vergabe der WM 2018 und 2022 an Russland und Katar lieferte.

Doch anders als seine Weggefährten Joseph Blatter und Michel Platini, die ihre Spitzenämter bei FIFA und UEFA wegen anrüchiger Millionenzahlungen längst räumen mussten, hielt sich der 67-Jährige bislang auf seinen Posten. Seit 19 Jahren sitzt er in der FIFA-Spitze und schon seit 1992 im Exekutivkomitee der UEFA.

Nun könnte es eng für Villar Llona werden. »In Spanien werden die Gesetze durchgesetzt, die Gesetze sind für alle gleich, und niemand, wirklich niemand steht über dem Gesetz«, sagte Spaniens Sportminister Inigo Mendez de Vigo. Im Rahmen der »Operation Soule« wurden am Vormittag auch der Sitz der RFEF in Madrid sowie mehrere Regionalbüros und Wohnungen durchsucht. Die Ermittlungen seien Anfang 2016 eingeleitet worden, so die Guardia Civil

Zu den Festgenommenen gehöre auch Finanz-Vizepräsident Juan Padrón, der als Chef des Regionalverbands von Teneriffa eine zentrale Rolle in der Affäre spielen soll. Von Seiten der RFEF wie auch von Villar Llona persönlich gab es zunächst keine Stellungnahme. Die FIFA verwies auf »interne Angelegenheiten« des spanischen Verbands, die UEFA wollte die Vorgänge nicht kommentieren.

Vorgeworfen wird Villar Llona, dass er Länderspiele der spanischen Nationalmannschaft gegen andere Nationen arrangiert haben soll, um dabei durch Nebenabsprachen seinem Sohn lukrative Verträge zu verschaffen. Gorka Villar war bis 2016 als Conmebol-Generalsekretär für drei Verbandschefs tätig, die später im Zuge der US-Ermittlungen gegen Fußballfunktionäre unlauterer Machenschaften beschuldigt wurden. Villar Llona selbst hatte sich lange gegen die Ermittlungen im FIFA-Skandal verwehrt. Der jüngst durch die FIFA veröffentlichte Garcia-Bericht gibt einen Einblick in die Verweigerungshaltung des spanischen Spitzenfunktionärs. Später habe er jedoch seine Bereitschaft zur Kooperation in der Untersuchung gezeigt, begründeten die unabhängigen FIFA-Ethiker ihr mildes Urteil.

Villar Llona ist neben dem Ägypter Hany Abo Rida inzwischen das einzige verbliebene Mitglied der damaligen FIFA-Exekutive, die im Dezember 2010 über die beiden WM-Gastgeber abstimmte. Im Normalfall spricht er am Rande von Veranstaltungen nicht mit den Medien.

Trotz seiner dubiosen Rolle wurde der frühere spanische Nationalspieler im Mai ohne Gegenkandidaten erneut zum Verbandschef wiedergewählt. Villar Llona führt den RFEF seit 1988 und durfte in dieser Zeit den WM-Titel 2010 und die EM-Triumphe 2008 und 2012 mit der Nationalmannschaft feiern. »Villar, der ewige Präsident, der ewig von Kontroversen umgeben ist«, schrieb die Zeitung »El Mundo« nach der Festnahme nur zwei Tage vor der für Donnerstag angesetzten Generalversammlung des RFEF. dpa/nd

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