Mutmaßliche Rechtsterroristen mit Sammelwut

Razzien in Mecklenburg-Vorpommern förderten Archiv mit mehr als 5000 Namen zu Tage / Keine Hinweise auf Ausspähung oder Mordpläne

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen aus Mecklenburg-Vorpommern haben ein umfangreiches Archiv über Landes-, Kommunal- und Bundespolitiker angelegt. Wie die »Welt« berichtet, handele es sich dabei um zwei Ordner mit »losen Blattsammlungen« über mehr als 5000 Personen, darunter auch mehr als 100 Namen, Adressen und Fotos von überwiegend linken Politikern. In den Papieren sollen jedoch auch Vertreter von CDU, FDP und Grünen sowie Unterlagen zur AfD aufgeführt sein. Hinweise auf eine gezielte Ausspähung oder Mordpläne soll es den Angaben zufolge nicht geben. Die Sammlung sei zudem größtenteils aus öffentlich zugänglichen Quellen angelegt, heißt es weiter.

Im August hatte die Polizei Wohnungen und Geschäftsräume von mehreren Personen in Rostock und Schwerin durchsucht. Der Verdacht: »Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat«. Wie der Generalbundesanwalt damals mitteilte, sollen die Beschuldigten in Chatgruppen über »die aus ihrer Sicht verfehlte Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik« gesprochen und wegen dieser Entwicklung den »Zusammenbruch der staatlichen Ordnung« prognostiziert haben. Diesen Krisenfall sollen die Männer als Chance gesehen haben, Vertreter des politisch linken Spektrums festzusetzen und zu töten.

Ein Rechtsanwalt aus Rostock und ein Polizist aus Grabow stehen im Fokus der Ermittlungen. Die Ordner mit den Namen wurden laut »Welt« bei dem Juristen entdeckt. Der Polizeibeamte soll seinen Dienst-PC missbräuchlich genutzt haben, um an Meldeadressen zu gelangen.

Die Beschuldigten sollen der sogenannten Pepper-Szene angehören. Sie bereitet sich auf eine Katastrophe biblischen Ausmaßes vor: zum Beispiel durch die Hortung von Lebensmitteln, Waffen, Wasser und das Verbarrikadieren in Wohnanlagen. Etwa 180.000 Deutsche werden dieser Bewegung zugerechnet. nd

- Anzeige -

Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen.

Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall.

Dank Ihrer Unterstützung können wir:

→ unabhängig und kritisch berichten
→ übersehene Themen in den Fokus rücken
→ marginalisierten Stimmen eine Plattform geben
→ Falschinformationen etwas entgegensetzen
→ linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln

Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.