Handelskammer warnt vor Folgen der US-Zölle

Einlenken Trumps gilt als unwahrscheinlich / Macron kündigt entschlossene Antwort Europas an

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Berlin. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat nach dem Inkrafttreten von US-Zöllen auf Stahl und Aluminium auch aus der Europäischen Union vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen gewarnt. Wenn man im Zeitalter sich vernetzender Produktionssysteme »Instrumente aus dem 19. Jahrhundert wieder aus der Mottenkiste zieht«, dann könne das die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen und perspektivisch den Welthandel insgesamt, sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Volker Treier am Freitag im ARD-»Morgenmagazin«.

Durch die Zollentscheidung würden die USA als Produktionsstandort weniger attraktiv, sagte Treier. Bis diese Erkenntnis allerdings in Washington ankomme, »vergeht anscheinend viel Zeit - das ist das Problem.« Die Hoffnung, nun unter hohem Druck und »permanenten Zumutungen« mit Zugeständnissen zu reagieren und die USA so zum Einlenken zu bewegen, trage zur Zeit nicht.

US-Handelsminister Wilbur Ross hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass die USA ab diesem Freitag Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus der EU erheben. Präsident Donald Trump hatte die Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium bereits im März verhängt, die EU aber vorerst ausgenommen. Verhandlungen über eine dauerhafte Ausnahme hatten allerdings zu keinem Durchbruch geführt. Die EU kündigte am Donnerstag umgehend Gegenmaßnahmen an, ebenso wie die nun ebenfalls von den Zöllen betroffenen US-Nachbarländer Kanada und Mexiko.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bekräftige im »Morgenmazin« der ARD, dass die Antwort der Europäer »sehr stark und sehr geschlossen« sein werde. Die US-Entscheidung bedeute »Schaden für Viele, Nutzen für Niemanden«. In der Folge würden nun auch viele Produkte für US-Verbraucher teurer. Dies sei kein Grund zur Freude, sondern ein Grund zur Sorge.

Er hoffe nun, dass von der europäischen Antwort ein Prozess des Nachdenkens in den USA ausgehe, da es dort bereits erste skeptische Stimmen gegeben habe, sagte Altmaier. »Wir werden selbstverständlich auch mit Paul Ryan, den Gewerkschaften und vielen anderen reden«, sagte der Minister.

Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses und einflussreichster Republikaner im Kongress, hatte die Entscheidung der Trump-Regierung am Donnerstag kritisiert. Diese treffe Amerikas Verbündete, »wenn wir mit ihnen zusammenarbeiten sollten, um die unfairen Handelspraktiken von Ländern wie China anzusprechen«.

Der Gefahr eines Handelskrieges solle nun dadurch begegnet werden, »dass wir zusammenstehen«, sagte Altmaier. Möglicherweise solle dies »auch in stärkerer Zusammenarbeit mit Mexiko und Kanada« geschehen.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat eine entschlossene Antwort der Europäer angekündigt. Die Entscheidung, Strafzölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium aus der EU sowie aus Mexiko und Kanada zu erheben, sei illegal und ein Fehler. Das sagte Macron laut der französischen Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zum Freitag in einem Telefongespräch mit seinem US-Amtskollegen Donald Trump. Die EU-Kommission hatte angekündigt, mit Vergeltungszöllen zu reagieren. AFP/nd

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