Corona - die erste Bilanz

Der Einbruch in China zeigt, was der Wirtschaft droht.

  • Von Stephan Kaufmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 werden die Wirtschaft hart treffen. Wie hart, darauf gibt China nun einen ersten Hinweis: Im ersten Quartal 2020 brach die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 9,8 Prozent ein und damit so stark wie noch nie seit Beginn der Statistik. Dies sei »eine Blaupause für das, was uns im Rest der Welt an schlechten Zahlen noch droht«, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bankengruppe. Die Zahlen aus China zeigen aber auch die schnelle Erholung der Wirtschaft nach der Lockerung des Shutdown.

In Wuhan, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Hubei, waren Ende Dezember 2019 die ersten Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 aufgetreten. Am 23. Januar 2020 wurde Wuhan komplett abgeriegelt, später folgte fast die gesamte Provinz. Mit dem Rückgang der Ansteckungszahlen wurden die Beschränkungen ab der zweiten Februarhälfte schrittweise wieder zurückgenommen.

Dies spiegelt sich auch in den ökonomischen Daten: So produzierte die chinesische Industrie im Februar ein Viertel weniger als im Januar. Im März jedoch stieg die Produktion wieder um fast ein Drittel. Damit liegt die Industrieproduktion nur noch rund ein Prozent unter dem Wert ein Jahr zuvor. Die Unternehmen investierten im März wieder sechs Prozent mehr, nachdem sie ihre Investitionen in Anlagen im Februar noch um 22 Prozent gekürzt hatten. Seit März geht es also wieder aufwärts.

Anders als nach der großen Finanzkrise ab 2008 dürfte dieses Mal die Weltwirtschaft aber kaum durch ein rasantes Wirtschaftswachstum in China gestützt werden. Ökonomen warnen davor, mit einem schnellen Aufschwung in der Volksrepublik zu rechnen. Denn zum einen dürfte die starke Erholung der Industrie im März überzeichnet sein. »Unserer Einschätzung nach ist sie auf das Bestreben vieler Werksleiter zurückzuführen, die von der Regierung geforderte Wiederaufnahme der Produktion zu vermelden«, so Janis Hübner von der Deka-Bank.

Volkswagen leidet und hofft

Zudem mag sich die Industrie zwar erholen, die Dienstleistungen und der private Konsum jedoch hinken weit hinterher. So lagen die Umsätze der chinesischen Einzelhändler im März laut chinesischem Statistikamt noch fast 16 Prozent unter dem Stand von März 2019. Dieser Rückgang dürfte in der Realität noch deutlich größer sein. Denn die Statistik erfasst nur die Supermärkte, deren Geschäft in der Coronakrise wesentlich besser lief als das kleinerer Läden und der Wochenmärkte. Insgesamt rechnet die Regierung in Peking erst für den Sommer damit, dass der Dienstleistungssektor wieder auf sein normales Niveau zurückkehrt.

Einer Wiederaufnahme des Booms in China dürfte auch die Tatsache entgegenstehen, dass in seinen Hauptexportmärkten USA und Europa weiter große Teile der Produktion stillstehen. Die Nachfrage nach chinesischen Gütern bleibt daher beschränkt. Und schließlich besteht die Gefahr, dass es zu einer zweiten Ansteckungswelle in der Volksrepublik kommt, wenn die Bevölkerung ihr normales Leben wieder aufnehmen darf.

Bislang hat Chinas Regierung - verglichen mit Regierungen und Europa, den USA und Japan - relativ geringe Summen für die Unterstützung der Konjunktur zugesagt. Die Unternehmen aus dem In- und Ausland hoffen daher auf weitere Maßnahmen Pekings. »Wir gehen davon aus, dass rund um den Volkskongress ein sehr starkes Konjunkturpaket verabschiedet werden wird«, sagte Volkswagens China-Chef Stephan Wöllenstein am Freitag der dpa. Auf seinem größten Einzelmarkt hatte der VW-Konzern in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres mit knapp 614 000 Fahrzeugen 35,1 Prozent weniger verkauft. Wöllenstein bestätigte die Einschätzung, dass im Juni wieder das Vorjahresniveau wieder erreicht werden könnte - wenn die Erholung weiterläuft wie bisher.

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