Herumhitlern

Spätestens seit mit dem Einzug der AfD in den Bundestag und ins Abendprogramm des deutschen Fernsehens die deutsche »Vergangenheitsbewältigung« offiziell ihren Abschluss fand, ist auch der hierzulande traditionell ebenso beliebte wie inflationär genutzte Hitler-Vergleich, der zur Entlastung von der eigenen Geschichte dient, in den Medien allgegenwärtig. Auf ihren Social-Media-Kanälen postete beispielsweise die ZDF-»Heute-Show« vor einigen Tagen ein Foto, das behelmte und mit Knüppeln und Schildern ausgestattete US-Polizisten zeigt, die nachts vor dem Weißen Haus, dem Sitz des US-Präsidenten, postiert sind. Auf dem Bild sind folgende Sätze zu lesen: »Trump hat sich in einem Bunker im Weißen Haus vor Protesten geschützt. Wir Deutsche können aus Erfahrung sagen: Ab diesem Zeitpunkt geht es meist bergab.«

Immer wenn irgendwo die Wendung »Wir als Deutsche« auftaucht, weiß man: Jetzt spricht eine Arschgeige. Manchmal weiß man das auch bereits in dem Moment, in dem einer »Wir« sagt. Was man jetzt, dank der »Heute-Show«, auch weiß: 1.) Hitler hat sich in seinem Bunker seinerzeit, 1945, vor den Protesten der deutschen Bevölkerung geschützt. 2.) Der Nationalsozialismus war eine »Erfahrung« der Deutschen, bei der es erst bergauf und zum Ende hin »bergab« ging. 3.) Trump ist wie Hitler - eine Erkenntnis, die »wir als Deutsche« aus unserer extrem gelungenen Vergangenheitsbewältigung gewonnen haben und die wir dem Ami, der 1945 unser Land besetzt hat, deswegen jetzt aufs Brot schmieren. Dass derlei obszöner Geschichtsrevisionismus und reiner Scheißdreck heute in Deutschland als »Satire« gilt, zeigt an, wie es in diesem Land um die Zivilisation bestellt ist: nicht gut. tbl

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