Verstaatlichen

Sebastian Weiermann über Arbeitsplatzabbau bei Thyssenkrupp

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Thyssenkrupp ist kaputt. Anders kann man die Situation des einstmals stolzen Ruhrgebietskonzerns nicht beschreiben. Im Frühjahr wurde mit dem Aufzugbau die profitabelste Konzernsparte verkauft. 17 Milliarden hat Thyssenkrupp damit eingenommen. Geld, das eigentlich für den Umbau des restlichen Konzerns reichen sollte. Doch dann kam Corona. Die kriselnde Stahlsparte baute weiter ab, und jetzt steht der Konzern schon wieder mit schlechten Zahlen da. Wie er da rauskommen soll, das ist unklar.

Das Management setzt auf einen weiteren Arbeitsplatzabbau, hält auch einen Verkauf für möglich oder würde sich über Staatshilfen freuen. Die NRW-SPD möchte gerne ein bisschen einsteigen, die Linke den Konzern verstaatlichen, was die IG Metall begrüßen würde. Es sind nämlich Tausende Arbeitsplätze, die bei Thyssenkrupp auf dem Spiel stehen. Das aktuelle Management des Konzerns unter Martina Merz wirkt nicht so, als ob ihr diese besonders am Herzen liegen. Merz ist den Anteilseignern verpflichtet, nicht den Mitarbeitern und treibt die Filetierung des Konzerns voran. Wenn die Managerin weiter schalten und walten kann, wie sie möchte, wird in naher Zukunft nicht mehr viel von Thyssenkrupp und den Arbeitsplätzen übrig sein.

Es ist also vernünftig, über eine Staatsbeteiligung nachzudenken. Im Saarland funktioniert sie mit der Industriestiftung, und auch die Salzgitter AG gäbe es wohl ohne Landesbeteiligung längst nicht mehr. Doch Schwarz-Gelb in NRW weigert sich aus ideologischen Gründen, bei Thyssenkrupp einzusteigen. Stattdessen setzt man auf Coronahilfen vom Bund. Also Milliarden für einen Konzern ohne eine echte Mitsprache. Das wäre fatal, denn dann könnte die Konzernführung ihren Weg einfach fortsetzen. Was Thyssenkrupp braucht, ist dagegen ein echter Staatseinstieg, der dafür sorgt, dass Jobs bleiben und die Produktion klimaneutral umgestellt wird.

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