Ist mein Handy ein Kompass?

Dr. Schmidt erklärt die Welt

  • Christof Meuler
  • Lesedauer: 2 Min.
Ist mein Handy ein Kompass?

Stimmt es, dass man sein Smartphone als Kompass benutzen kann?
In den meisten, außer in billigen, ist einer drin.

Wissenschaftsredakteur Dr. Steffen Schmidt

Dr. Steffen Schmidt, Jahrgang 1952, ist Wissenschaftsredakteur des »nd« und der Universalgelehrte der Redaktion. Auf fast jede Frage weiß er eine Antwort - und wenn doch nicht, beantwortet er eine andere.

Foto: nd/Ulli Winkler

Wie kann das Handy wissen, wo Norden ist?
Wenn da ein Magnetsensor drin ist, kann der die Ausrichtung des Erdmagnetfelds wahrnehmen. Die nachgeschaltete Elektronik muss dann nur die Schwankungen des Magnetwerts, wenn das Gerät gedreht wird, anzeigen. Das ist bei der Kleinheit des Systems nicht super genau. Der magnetische Nordpol ist nicht konstant an einem Platz, der wandert ja ein bisschen. Aber jedes Stück Metall in der Nähe des Geräts verursacht mehr Störungen als der wandernde Pol.

Kann man sich nicht auch an den Sternen orientieren?
Das haben die Seefahrer getan, bevor sie einen Kompass hatten. Den Phöniziern sagt man nach, sie hätten so Teile Afrikas umsegelt.

Braucht man heute noch einen Kompass?
In der Seefahrt wie in der Luftfahrt. Und sei es als zusätzliche Absicherung.

Kann ich mich denn mit dem Kompass in meinem Smartphone bis nach Nordberlin durchschlagen?
Das könntest du machen. Du könntest aber auch einfach Google-Maps nehmen. Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass die Fähigkeit, eine Karte zu lesen, mit der Verbreitung der Smartphones schwindet.

Proportional zum Aufkommen der Sprachnachricht.
Die könnte irgendwann Lesen und Schreiben verdrängen, meinst du? Da wären wir dann sozusagen wieder bei dem Zustand vor Sokrates. Bloß dass dann, anders als bei Sokrates, immer noch keiner die »Ilias« auswendig könnte.

Wann hast du zum letzten Mal einen Kompass benutzt?
Oh, das ist verflucht lange her. Auf einer Klassenfahrt bei einer Wanderung. Da haben wir die Karte mit einem Kompass eingenordet – und uns dann trotzdem verfranst. Die Himmelsrichtung kannst du natürlich auch mit einer Zeigeruhr bestimmen. Das ist Wissen aus Pionierlagerzeiten. Im Westen dann eben aus Pfadfinder-Kontext.

Na, ich war nicht dabei.
Dann weißt du auch nicht, dass Nordwesten dort ist, wo die Bäume bemoost sind.

Leider nein.
Du würdest dich im Wald verlaufen?

Ja, ohne GPS.
Es ist bei uns nicht so leicht, sich zu verlaufen. Innerhalb von 20, 30 Kilometern, die man am Tag durchaus laufen kann, kommt meist ein Ort.

Irgendwo fährt immer ein Auto rum.

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