• Politik
  • Antifa in Dortmund und Coronalegner

Die Luft ist raus

Polizei stellt Fahrräder von Antifaschisten sicher

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine »Luftnummer« nennt Iris Bernert-Leushacke von der Dortmunder Linken das Vorgehen der Polizei gegen Antifaschist*innen am Dienstagabend. Zum zweiten Mal hatten sich Coronaleugner zu einem Autokorso durch die Ruhrgebietsstadt verabredet. Eine Woche zuvor war der Autokorso von Rad fahrenden Antifaschist*innen massiv behindert worden. Es dauerte Stunden, bis die Coronaleugner ihre Fahrt durch die Stadt zuende bringen konnten.

Das wollte die Dortmunder Polizei an diesem Dienstag offenbar nicht wieder zulassen und griff zu einem ungewöhnlichen Mittel, um die radelnden Nazigegner auszubremsen. Ihnen wurden die Räder weggenommen oder die Luft aus den Reifen gelassen. Durchs Netz ging am Abend ein kurzes Video, das einen knienden Polizisten einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, quasi die Elite der Bereitschaftspolizei, dabei zeigte, wie er sich bemühte, das Ventil aus einem Fahrradreifen zu drehen.

Auf einem anderen Foto waren Polizisten zu sehen, die Fahrräder in einen LKW verluden. Ein Scherzkeks nahm das Foto zum Anlass, auf Ebay eine Kleinanzeige zu schalten. Am Polizeipräsidium seien Fahrräder »frisch reingekommen«, für 50 Euro könnten sie am Polizeipräsidium abgeholt werden. Nur Barzahlung sei möglich. Eine Anspielung auf einen Fall aus Leipzig, wo eine Polizistin sichergestellte Fahrräder verkauft haben soll.

Nicht zum Lachen findet Kim Schmidt, Pressesprecherin der Autonomen Antifa 170, die Ereignisse des Abends. »Eine Woche, nachdem ein mit Waffen bepacktes Auto der ›Querdenker*innen‹ Radfahrer*innen angefahren und mit einem Baseballschläger angegriffen hat, hat die Polizei klar das Feindbild Fahrrad vor Augen«, ärgert sich die Antifaschistin. Die Polizei lasse »Fahrrädern die Luft aus den Reifen, um weiter antisemitischen Verschwörungsideologien den roten Teppich in Dortmund ausrollen zu können«, so ihr Urteil. Ähnlich denkt Iris Bernert-Leushacke. Sie kritisiert: »Den legitimen Gegenprotest zu behindern, wie es der Polizeipräsident Lange schon in einer Pressemeldung vorab angedroht hat, zeigt einmal mehr, auf welchem autoritären Weg die Polizei unterwegs ist.« Sachbeschädigung an Fahrrädern sei »nicht hinnehmbar«, so die Linke-Politikerin.

Antifaschist*innen gehen von 10 bis 15 beschlagnahmten Rädern aus. Ähnlich oft soll die Luft aus Reifen gelassen worden. Teilweise wurden die Räder beschädigt. Die Dortmunder Polizei rechtfertigt ihr Vorgehen mit »Gefahrenabwehr«; dadurch sei verhindert worden, dass Räder in den Autokorso gefahren und dieser oder Einsatzwagen blockiert werden konnten. Bei Kontrollen vor dem Autokorso der Corona-Leugner fanden Polizisten ein Messer und ein Reizstoffsprühgerät.

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