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Beamtin und Polizeichef treten nach tödlichen Schuss auf Schwarzen zurück

Proteste gegen US-Polizei nach neuer Tötung eines Schwarzen in Minneapolis gehen weiter

  • Lesedauer: 3 Min.

Minneapolis. Nach dem tödlichen Polizeieinsatz gegen einen jungen Afroamerikaner nahe der US-Stadt Minneapolis sind die verantwortliche Beamtin und der örtliche Polizeichef zurückgetreten. Wie der Bürgermeister von Brooklyn Center, Mike Elliott, am Dienstag sagte, reichte die Polizistin, die offenbar ihre Schusswaffe mit ihrer Elektroschockpistole verwechselt hatte, schriftlich ihren Rücktritt ein. Auch Polizeichef Tim Gannon räumte seinen Posten.

Der 20-jährige Daunte Wright war am Sonntag im nördlich von Minneapolis gelegenen Brooklyn Center bei einer Verkehrskontrolle erschossen worden. Die jetzt zurückgetretene Polizistin hatte anstelle ihres Tasers ihre Dienstwaffe gezogen und abgefeuert, als Wright sich seiner Festnahme widersetzte. Warum die Polizistin so handelte, ist unklar. Ihr drohen jetzt strafrechtliche Konsequenzen.

Die Polizisten kontrollierten Wright am Sonntag, weil die Zulassung seines Wagens abgelaufen war, wie es hieß. Dabei hätten sie festgestellt, dass ein Haftbefehl gegen den unbewaffneten Mann bestand, und ihn festnehmen wollen. Ein Video zeigt, wie sich Wright aus dem Griff der Beamten löst und wieder in sein Auto steigt. Eine Polizistin ruft daraufhin »Taser, Taser, Taser« - hat aber eine Pistole in ihrer Hand. Daraufhin ist ein Schuss zu hören. »Heilige Scheiße, ich habe gerade auf ihn geschossen«, sagt die erschreckt wirkende Polizistin. Wright starb laut Autopsie infolge einer Schusswunde im Brustbereich.

Verwandte von Wright verlangten am Dienstag, die Polizistin festzunehmen. »Werft sie ins Gefängnis, wie ihr es mit uns machen würdet«, sagte seine Tante Naisha Wright bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Verwandten des vor knapp einem Jahr in Minneapolis von der Polizei getöteten Afroamerikaners George Floyd. Die beiden Familien demonstrierten mit ihrem gemeinsamen Auftritt Solidarität und verlangten Reformen bei der Polizei.

Floyds Tod am 25. Mai 2020 hatte landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze ausgelöst. Derzeit wird in Minneapolis dem weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin, der Floyd neuneinhalb Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte, der Prozess gemacht.

Wrights Tod hat neue Proteste ausgelöst. Dabei kam es in Brooklyn Center zwei Abende in Folge auch zu Ausschreitungen.

US-Präsident Joe Biden erklärte zu Wrights Tod: »Die Frage ist, ob es ein Unfall oder Absicht war. Das muss noch geklärt werden.« Er zeigte Verständnis für die Wut der Menschen. »Friedlicher Protest ist verständlich«, sagte Biden. Für Gewalt gebe es aber »absolut keine Rechtfertigung«. Der Demokrat hat den Kampf gegen den Rassismus zu einem seiner zentralen Anliegen erklärt. Er wirbt auch für die Verabschiedung eines nach George Floyd benannten Gesetzes für Polizeireformen, doch die Republikaner im Senat dürften dabei mauern.

Erst am Wochenende hatte ein anderer Fall für Empörung gesorgt: Ein Video zeigte zwei Polizisten, die bei einer Verkehrskontrolle einen schwarzen Leutnant der US-Streitkräfte schikanierten. Ein Beamter setzte Reizgas ein. Die Polizei in Windsor in Virginia entließ den Beamten, der Bundesstaat leitete eine Untersuchung ein.

Der Moderator der populären US-Fernsehsendung »Daily Show« und aus Südafrika stammende Komiker, Trevor Noah, brachte am Montagabend die Kritik vieler Schwarzer auf den Punkt: Es sei der Polizei egal, ob man Militärangehöriger oder schlicht ein geschätztes Mitglied der schwarzen Gemeinschaft sei. »Es ist ihnen egal, weil sie wissen, dass sie damit davonkommen. Und bis sich das ändert, wird es ihnen auch weiter egal sein.« Agenturen/nd

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