Schüler gegen Rassismus

Junge Aktivist*innen aus Minneapolis berichten, wie sie den Protest organisieren

  • Von Johannes Streeck
  • Lesedauer: 4 Min.

Wie hat Minnesota Teen Activists begonnen, und wie beschreibt ihr eure Arbeit?

Aaliyah: Wir haben uns im Mai 2020 als Reaktion auf rassistische Vorfälle an Schulen gegründet. Nachdem George Floyd getötet wurde, haben wir aber schnell gemerkt, dass die Probleme noch viel größer sind.

Hawa: Für uns ist das größte Ziel, unsere Community zu unterstützen - vor allem Teenager. Zum Beispiel jetzt, wo wir in Trauer sind, nachdem Daunte Wright wortwörtlich in unserem Garten ermordet wurde.

Yassin: Für mich ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit auch, andere junge Leute zu inspirieren, an Demonstrationen teilzunehmen und sich zu organisieren.

Zielt euer Kampf gegen Rassismus auf eine bestimmte Generation ab? Führt ihr mit euren Altersgenossen die gleichen Diskussionen wie mit älteren?

Hawa: Wenn Babyboomer sich rassistisch äußern, dann ist es total direkt. Man erkennt es sofort als Rassismus. Bei Gen Xern oder Millennials ist es vielleicht ein bisschen subtiler, aber eigentlich auch erkennbar. In unserer Generation ist es durch die sozialen Medien ein bisschen anders. Es fängt oft als Witz an, die Leute sagen dann etwas wie »Ich identifiziere mich als Hubschrauber«, wenn sie die LGBTQ-Community angreifen wollen.

Yassin: Es ist genau, wie Hawa es beschreibt: Die Leute tun so, als sei es ein Witz, obwohl es in Wirklichkeit keiner ist. Es ist genau die gleiche Denkweise wie aus der Zeit der Sklaverei, die sich immer wieder neue Möglichkeiten sucht, sich auszudrücken.

Ihr plant am Montag einen Protest in der Schule.

Yassin: Wir organisieren einen Walkout im Namen von Racial Solidarity, und wir wollen Daunte Wrights Tod gedenken. Ich finde es wichtig, dass wir einen sicheren Ort für Gespräche schaffen, um Ressourcen zu sammeln und Schüler*innen Platz zu geben, um richtig trauern zu können.

Ich glaube, in dieser Zeit, während des Chauvin-Gerichtsprozesses, während der Schule und mitten in einer Pandemie, haben viele Schüler*innen Schwierigkeiten damit, ihre Gefühle zu steuern. Und dann stirbt, kurz nachdem die Schule losgeht, noch ein junger schwarzer Mann. Es ist ermüdend, es ist traumatisierend, und ich glaube, dieser Walkout wird uns helfen, zusammenzukommen. Momentan haben wir 40 beteiligte Schulen auf unserer Liste.

Hawa: Der Walkout ist von Schüler*innen organisiert. Ein paar der größten Schulen aus dem gesamten Staat werden mitmachen. Wir werden Tausende Schüler*innen sein, das ist eine große Sache, wenn man sich die Demografie dieses Bundesstaats anschaut: Er ist zu über 70 Prozent weiß; man wird Tausende von weißen Schüler*innen sehen, die mit uns zusammen Racial Solidarity kreieren werden. Das ist eine Erfahrung, die die meisten Leute noch nicht gemacht haben.

Minneapolis ist seit dem Tod von George Floyd weltweit in den Schlagzeilen. Was wird aus eurer Perspektive nicht ausreichend, falsch oder gar nicht berichtet?

Gabby: Für mich als asiatische Frau fühlt es sich an, als wäre Rassismus gegen Asiat*innen vollkommen normalisiert. Als die Corona-Pandemie angefangen hat, ist mir auch viel Rassismus von Leuten in meinem eigenen Alter begegnet. Ich musste mir Beleidigungen anhören, ohne dass meine Mitschüler*innen mir zu Hilfe gekommen wären; sie haben einfach gelacht. Rassismus kommt auf vielen Wegen, genau wie Yassin und Hawa gesagt haben, er wird halt als Witz versteckt.

Hawa: Die Leute verstehen nicht ganz, wie traumatisiert die Kids in dieser Gegend sind. 2016 wurde Philando Castile getötet, da waren wir etwa elf, zwölf Jahre alt. Als George Floyd gestorben ist, haben die meisten Lehrer das gar nicht erwähnt. Erst als die Unruhen begonnen und die ersten Sachen gebrannt haben, haben ein paar meiner Lehrer angefangen, es zu erwähnen.

Dann haben sie solche Sachen gesagt wie »Ich weiß, ihr seid unter einer Ausgangssperre«, oder »Ich weiß, ihr seht nicht gerne, wie eure Geschäfte abgebrannt werden«. Es ist total unsensibel, Gebäude über die Leben von Menschen zu stellen, die durch die Hände der Polizei getötet werden, und nur aufmerksam für die Gefühle von Schüler*innen zu sein, wenn es irgendwo brennt.

Yassin: Die Schulen sagen eigentlich gar nichts, bis sie sehen, dass so etwas wie ein Walkout oder eine Demonstration stattfindet. Dann tun sie so, als ob es ihnen wichtig ist, aber eigentlich nur, um dafür zu sorgen, dass es wieder aufhört. Wir brauchen Leute, die mit uns über diese Sachen reden können, und eine Veränderung dessen, wie mit diesen Situationen in der Schule umgegangen wird.

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