Blockiert, geflohen, veraltet

Nach der verpassten Qualifikation findet ein olympisches Baseballturnier erstmals ohne Kuba statt

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 3 Min.
Der kubanische Baseballspieler Cesar Prieto Echevarria (vorne) hat sich vor einem Olympia-Qualifikationsspiel in den USA abgesetzt.
Der kubanische Baseballspieler Cesar Prieto Echevarria (vorne) hat sich vor einem Olympia-Qualifikationsspiel in den USA abgesetzt.

Der klare 16:3-Sieg der kubanischen Baseballer gegen Kolumbien zum Abschluss des olympischen Qualifikationsturniers in den USA war ein Muster ohne Wert. Bereits nach den beiden knappen 5:6-Niederlagen gegen Venezuela und Kanada in den Auftaktspielen hatte festgestanden, dass Rekordolympiasieger Kuba erstmals bei einem olympischen Baseballturnier fehlen wird. Stattdessen fährt nun der Turniersieger USA nach Tokio. Venezuela und die Dominikanische Republik bekommen bei einem weiteren Turnier eine zweite Chance, sich noch zu qualifizieren.

»Der Traum, das Baseballturnier 2021 in Tokio zu erleben, wurde für Kuba heute zum Albtraum«, titelte die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina. Die Ernüchterung auf der Insel ist groß.

Seit der Wiederaufnahme der Sportart ins olympische Programm im Jahr 1992 hatte Kuba die Teilnahme an den Spielen nie verpasst - mehr noch: man erreichte immer mindestens das Endspiel, drei davon konnten gewonnen werden. Hinzu kommen 25 Weltmeistertitel.

Die diesjährige Qualifikation in Florida aber stand von Anbeginn unter keinen guten Vorzeichen. Bis kurz vor Turnierbeginn war unklar, ob die US-Behörden rechtzeitig die Einreisevisa erteilen würden. Direkt nach der Landung »desertierte« César Prieto, einer der hoffnungsvollsten Nachwuchsspieler des Landes. Während der Partien kam es dann auf den Rängen auch noch zu politischen Protestbekundungen gegen die kubanische Regierung. Sportlich fragwürdige Entscheidungen und taktische Fehler trugen auch noch zum Debakel bei.

Aber das Scheitern daran festzumachen, wäre zu einfach, hieß es in einer Analyse des Onlineportals »OnCuba«, die zu dem Schluss kommt: »Es wird sehr schwierig sein, zu gewinnen, solange es keine wirkliche Bereitschaft gibt, auf die enorme Gemeinde kubanischer Spieler zuzugehen, die im Ausland leben, keine Verbindung zur US-Profiliga haben und ihre Bereitschaft bekunden, ihr Land zu repräsentieren.« Das Ausscheiden könnte die Debatte um die Berufung im Ausland tätiger kubanischer Profis also neu entfachen.

Zwar gehörten Spieler schon diesmal zum Aufgebot, die mit staatlicher Billigung in Japan und anderen Ländern unter Vertrag stehen, aber jenen ohne Bindung an den Verband bleibt die Tür weiterhin versperrt. In den USA tätige Spieler zu berufen, ist fast unmöglich. Das hängt mit der US-Blockadepolitik zusammen. Kubanische Spieler müssen demnach die Residenz eines Drittlandes annehmen und alle Brücken nach Kuba abbrechen, um von einem US-Klub angestellt werden zu dürfen. Ein Deal mit der US-Profiliga Major League Baseball (MLB), der es kubanischen Baseballspielern erlaubt hätte, legal in den USA zu spielen, hatte die Regierung Donald Trumps 2019 im Handstreich versenkt.

Vor der Olympiaqualifikation war auf der Insel die Rede davon, einige in Mexiko tätige Spieler einzuberufen. Sie hätten der Nationalmannschaft ein Plus an Qualität verliehen. Diese Möglichkeit wurde jedoch aus unbekannten Gründen nicht ergriffen. Das Trainerteam argumentierte, dass es die Form dieser Spieler nicht kannte. Das aber sei keine überzeugende Erklärung, heißt es bei »OnCuba«: »Aus Mexiko gibt es Nachrichten, dass unsere Offiziellen nicht mit den Klubs der Spieler kommuniziert haben, um deren Freistellung für das Turnier auszuhandeln. Wenn sich diese Mentalität nicht ändert, die veralteten Arbeitsweisen nicht gesprengt werden, wird Kuba weiterhin dazu verdammt sein, seine enorme Baseballtradition tief zu begraben.«

Dass es auch anders geht, hat der kubanische Fußballverband gezeigt. Im März berief er erstmals mehrere Spieler in die Nationalelf, die unabhängig vom Verband im Ausland spielen, darunter den in der Premier League kickenden früheren deutschen U18-Nationalspieler Onel Hernández. Beim 5:0-Sieg in der WM-Qualifikation unter der Woche gegen die Britischen Jungferninseln standen sieben solcher »Legionäre« im kubanischen Aufgebot. Das Online-Sportportal »Jit« schwärmte nach der Partie von »einem vielversprechenden und attraktiven Projekt« und befand: »Heute ist es durchaus erlaubt, von einer Auswahl zu träumen, die verzaubert und gewinnt.«

Nun kann man einwenden, dass es gegen ein fußballerisches »Leichtgewicht« wie die Britischen Jungferninseln ging. Aber zumindest träumen die kubanischen Fußballfans wieder. Die Baseballanhänger sind davon dagegen weit entfernt.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung