Werbung

Alles kann, nichts muss

Es geht um die Wurst (Achtelfinale): In Gruppe B dürfen selbst die Dänen noch auf ein Weiterkommen hoffen

  • Von Jirka Grahl, St. Petersburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Was ist doch gemeckert worden, als sich die Uefa dereinst entschlossen hatte, die Endrunde der Europameisterschaft mit 24 statt wie bis 2012 üblich, mit nur 16 Teams zu bestreiten. Premiere für das Zweidutzendturnier war 2016, und schon dort zeigte sich am Beispiel der Isländer und Waliser, welchen Charme die Idee des großen Starterfeldes hat. Bei der Europameisterschaft 2021 tritt nun vor dem Beginn des abschließenden 3. Vorrundenspieltags erneut ein weiterer Vorteil dieses Turnierformats zum Vorschein: Die unscharfe Regelung, dass sich auch die besten Drittplatzierten noch fürs Achtelfinale qualifizieren können, sorgt dafür, dass sich alle bis zum Schluss ordentlich Mühe geben - auch nach zwei Niederlagen.

Deswegen können sich am Montag auch die Turnierlieblinge aus Dänemark mit einem ersten Sieg noch für die K.o-Runde qualifizieren, wenn sie am frühen Abend im heimischen Parken-Stadion zu Kopenhagen gegen Russland antreten, an eben jenem Ort also, der dieser EM bisher den schrecklichsten und zugleich ergreifendsten EM-Moment beschert hatte, als die Ärzte auf dem Rasen um das Leben des kollabierten Christian Eriksen kämpften - und gewannen.

Hinter den bereits für das Achtelfinale qualifizierten Belgiern, den Russen und den Finnen platziert, ist für Kapitän Simon Kjær und seine Kollegen in Gruppe B noch alles möglich. Kjær, der seit seinem resoluten Erste-Hilfe-Einsatz bei Eriksens Herzversagen eine Art neuer Nationalheiliger in Dänemark ist, staunte am Sonntag vor dem Russland-Spiel noch immer: »Die Unterstützung, die wir neulich Nacht bekamen, war die verrückteste, die ich je erlebt habe. So habe ich das Parken-Stadion noch nie erlebt«, sagte er. »Ich hoffe, dass wir morgen den gleichen Zuspruch bekommen.«

25 000 Zuschauer dürfen im Parken dabei sein, in dem es sich laut Dänemarks Torwart Kasper Schmeichel beim ersten Spiel »wie vor 75 000 statt vor 25 000 Zuschauer« angefühlt haben soll. Ein Remis wäre schon zu wenig, sollten die Dänen gewinnen, hängt ihr Weiterkommen aber von weiteren Faktoren wie dem Parallelspiel zwischen Belgien und Finnland sowie möglicherweise auch den Abschlusstabellen in anderen Gruppen ab. Sogar die Anzahl der Gelben Karten könnte noch herangezogen werden müssen. Etwas simpler können die Russen rechnen: Mit einem Sieg wäre die Achtelfinalteilnahme sicher, ein Unentschieden würde wohl auch ausreichen.

2500 Tickets hat die UEFA an russische Fans für das Spiel verkauft. allerdings können diese wegen der dänischen Coronabestimmungen nicht einreisen. Kopenhagens Polizeichef Peter Dahl sagte der dänischen Boulevardzeitung »BT«, er sei eigentlich nicht unglücklich darüber: »Da sind wir wohl verschont geblieben. Die Erfahrung besagt, dass russische Fans etwas ressourcenintensiver sind. Oft hatten sie den Wunsch, zu Unordnung und Schlägereien beizutragen.«

In Russland ist die Öffentlichkeit natürlich empört über den Ausschluss. Andererseits sind die Kommentatoren sowieso skeptisch, ob die Sbornaja unter Stanislaw Tschertschessow noch die nächste Runde erreichen kann. »Die Fans bereiten sich auf das Schlimmste vor«, schrieb das Portal sports.ru.

In Russland selbst wird derweil das Parallelspiel der Gruppe B zwischen Belgien und Finnland ausgetragen werden. Zu dem sind Kevin de Bruyne und Co. in aller Gelassenheit nach St. Petersburg angereist: Sie stehen nach zwei Siegen sicher im Achtelfinale. Davon träumen auch die Finnen noch - neben Dänemark die anderen Lieblinge dieser EM, wenn man so will. Für Finnland ist indes noch alles möglich: Trainer Markku Kanerva spricht vorab vom »größten Spiel der finnischen Fußballgeschichte«. Mit einem Sieg könnte der Außenseiter gleich bei seiner ersten EM-Teilnahme noch zum Gruppensieger aufsteigen, mit einer Niederlage allerdings auch als Tabellenletzter ausscheiden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung