Welcher Franz?

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Welcher Franz?

»Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft«, dichtete Heinrich Bolten-Baeckers. Das 1904 von Paul Lincke vertonte Lied avancierte rasch zur inoffiziellen Hymne der Stadt an der Spree. Darin wird unter anderem wider die alte Volksweisheit »Ohne Moos nix los« mitgeteilt: »Berlin! Hör ich den Namen bloß,/ muss vergnügt ich lachen!/ Wie kann man da für wenig Moos/ den Dicken Wilhelm machen!« Es ist zu vermuten, dass das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Máxima, das der deutschen Hauptstadt diese Woche ihre Aufwartung machte, genug »Moos« besitzt. Aber offenbar keine Hutnadeln - zumindest nicht im Reisegepäck. Kecke Berliner Luft hat Máximas opulente Kopfbedeckung fast weggepustet. Was den Gatten zu amüsieren scheint, dessen Frisur - dank Drei-Wetter-Taft von Schwarzkopf? - »sitzt«. Während sich die Bundeskanzlerin besorgt zeigt, obgleich sie selber - als gemeine Frau des Volkes - stets hutlos in und vor die Öffentlichkeit tritt.

Die Bilder vom Staatsbesuch ließen einmal mehr fragen, was solche, Steuergelder verschlingende pompöse Visiten den Völkern überhaupt bringen? Bestärkung von Versöhnungsgesten? Die Niederländer waren das erste Opfer des deutsch-faschistischen Eroberungsfeldzuges gen Westen 1940 und noch Jahrzehnte nach dem Krieg nicht gut auf (West)Deutschland zu sprechen. Aber die Zeiten scheinen vorbei. Angebrochen ist die Ära lustiger Missverständnisse. Die niederländische Königin berichtete der deutschen Regierungschefin über Erfolge der Frauenbewegung, worüber sie sich erst jüngst in Frankreich, in »France«, ausgetauscht habe. Merkel fragt irritiert nach: »Welcher Franz?« Nach einigen Sekunden Peinlichkeit: befreiendes Gelächter beider Ha ha ha. Schlagfertig, »Berliner Schnauze« durchaus würdig, wünscht schließlich zum Abschied Máxima der Kanzlerin: »Have a good time. See you in France.« ves

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