Razzia vor dem ersten Anpfiff

Aufsteiger Dynamo Dresden startet in eine schwierige Zweitligasaison, Hunderte Polizisten durchsuchten Wohnungen von Fans

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
800 Polizisten haben in Sachsen und Brandenburg Wohnungen von Tatverdächtigen der schweren Fußball-Krawalle bei Dynamo Dresden durchsucht.
800 Polizisten haben in Sachsen und Brandenburg Wohnungen von Tatverdächtigen der schweren Fußball-Krawalle bei Dynamo Dresden durchsucht.

Der 16. Mai 2021 wird Dresden und die SG Dynamo noch lange beschäftigen. Am vorletzten Spieltag der vergangenen Drittligasaison hatten Dresdens Fußballer mit einem Sieg gegen Türkgücü München den direkten Wiederaufstieg geschafft. Tausende Fans wollten trotz Zuschauerverbot so nah wie möglich dabei sein und hatten sich rund um das von der Polizei weiträumig abgesperrte Rudolf-Harbig-Stadion versammelt, rund 500 von ihnen suchten schon während des Spiels und danach die Konfrontation mit den Beamten. Die Bilanz: 185 Verletzte zählte die Polizei in den eigenen Reihen. Die Zahl geschädigter Unbeteiligter und Fans ist nicht bekannt.

Am Sonnabend startet die SGD mit einem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt in die sportliche Mission Klassenerhalt. Angesichts so namhafter Konkurrenten wie Werder Bremen oder Schalke 04 und dem Hamburger SV, die sich an diesem Freitag im Eröffnungsspiel gegenüberstehen, ist das ein herausforderndes Ziel. Noch vor dem ersten Anpfiff der neuen Saison wurden einige Dresdner Anhänger in den Fokus genommen: Am Donnerstag durchsuchten rund 800 Polizisten 56 Wohnungen in Sachsen und Brandenburg - um Beweismittel zu den Ausschreitungen im Mai zu sichern. Insgesamt wird gegen 70 Verdächtige ermittelt, vier davon wurden am Donnerstag festgenommen.

Zwei Sonderkommissionen »Hauptallee«

Einen Tag zuvor wurde ein 34-Jähriger im Schnellverfahren vor dem Dresdner Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt, wegen Beleidigung, Körperverletzung sowie tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die von der städtischen Polizei zur Aufarbeitung gegründete Sonderkommission »Hauptallee« fahndet noch immer öffentlich mit Bildern von Videoaufzeichnungen nach 19 Verdächtigen. Dresdner Fans hatten ihrerseits unter einer gleichnamigen Soko auf Plakaten nach Polizisten gefahndet, denen sie »Dynamolandfriedensbruch« vorwerfen. Inwieweit die Vorwürfe eines unverhältnismäßigen und nicht deeskalierend angelegten Polizeieinsatzes, die teilweise auch vom Verein geteilt wurden, eine Rolle spielen, bleibt abzuwarten. Tatsächlich begangene Straftaten entschuldigt das jedoch nicht, dies hatte auch Dynamo Dresden unterstrichen.

Aus einer anderen juristischen Auseinandersetzung ging der Verein als Sieger hervor. Am Mittwoch erlaubte das Dresdner Landgericht den Wechsel des Hauptsponsors. Es gehe davon aus, dass die Feldschlösschen Vertriebs GmbH ihre Verlängerungsoption nicht rechtswirksam ausgeübt habe, so die Begründung. Hauptsache Bier: Nun wirbt Radeberger auf den schwarz-gelben Trikots. Die Einnahmen erhöhen sich dadurch in den kommenden fünf Jahren um rund zwei Millionen Euro. Und: Der neue Sponsor übernimmt auch die finanziellen Verpflichtungen für die Namensrechte des Rudolf-Harbig-Stadions.

Vereinsführung bestätigt

Größere Planungssicherheit verschafften dem Verein auch seine Mitglieder. Sie wählten am Mittwochabend das Präsidium um Holger Scholze wieder. Um coronabedingte Verluste - rund vier Millionen Euro in der Vorsaison - abzumildern, setzt Dynamo auf wachsende Zuschauerzahlen. Gegen Ingolstadt ist eine 30-prozentige Stadionauslastung erlaubt. Vor 9600 Fans sind dann wieder die Fußballer gefragt. Trainer Alexander Schmidt verspricht: »Die Mannschaft ist hoch motiviert.«

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung