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Systemwechsel gegen Hunger gefordert

Zivilgesellschaftliche Gruppen kritisieren Intransparenz bei Vorbereitungen zum UN-Ernährungsgipfel

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 2 Min.

Den Hunger in der Welt erfolgreich bekämpfen und gleichzeitig die Klimakrise sowie den Verlust der Biodiversität eindämmen: Um die UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 zu erreichen, braucht es einen Wandel auch im Ernährungssystem. Denn für ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen werden die bestehenden Ernährungssysteme verantwortlich gemacht - also die gesamte Kette von der Nahrungsproduktion bis auf die Teller.

Noch bis Mittwoch treffen sich Politik, Wissenschaft, Nichtregierungsorganisationen und Landwirtschaft in Rom. Ziel des Vortreffens ist es, neue wissenschaftliche Ansätze zur Transformation von Ernährungssystemen aus der ganzen Welt vorzustellen, neue Verpflichtungen auf den Weg zu bringen sowie Finanzmittel zu mobilisieren. Im September soll dann ein UN-Gipfel zu Ernährungssystemen (Food Systems Summit) folgen.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) appellierte in Rom erneut an die G20-Staaten, ihre Anstrengungen zu intensivieren. Es fehle der politische Wille, Hunger nachhaltig zu bekämpfen, so Müller.

Während weltweit mehr Lebensmittel produziert werden als je zuvor, steigt die Zahl der Menschen, die unterernährt sind. Im vergangenen Jahr lag sie nach Angaben der Vereinten Nationen bei 811 Millionen. Am stärksten nahm der Hunger in Afrika zu. Dort lag die Rate der Unterernährung bei 21 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie in jeder anderen Weltregion. Weltweit hatten laut dem Bericht 2,3 Milliarden Menschen - 30 Prozent der Bevölkerung - nicht das ganze Jahr hindurch Zugang zu angemessener Ernährung. Dieser Wert stieg 2020 so stark an wie in den fünf vorhergehenden Jahren zusammen. Das Ziel der Vereinten Nationen, bis 2030 den Hunger weltweit zu besiegen, rückt in weite Ferne.

Das globale Ernährungssystem leistet zu wenig zur Überwindung des Hungers, kritisieren zivilgesellschaftliche Gruppen seit langem und mahnen, Alternativen zu stärken, »statt an Bestehendem festzuhalten und Betroffene in die Entscheidungen mit einzubeziehen«. So heißt es in einer Stellungnahme der Organisationen Misereor, Brot für die Welt, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (Abl), Fian und Inkota.

»Mit seiner Vielzahl an Diskussionsforen erweckt der Gipfel den Eindruck großer Inklusivität. Doch dieser Eindruck täuscht. Das Machtgefälle zwischen Agrarkonzernen und kleinen- und mittelständischen Lebensmittelerzeuger*innen wird nicht berücksichtigt«, kritisiert Paula Gioia von der AbL. »Die Stimmen der Bäuerinnen und Bauern drohen so überhört zu werden.« Dabei stünden sie im Zentrum der Ernährungssysteme. Zudem würden Schlüsselpositionen des Gipfels mit Führungskräften der umstrittenen »Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika« besetzt, die eng mit der Agrarindustrie zusammenarbeite.

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