Unverhandelbar: Lebensrecht

Erneut bekunden Tausende Solidarität mit Geflüchteten und Seenotrettern

So quälend wie immer war das Prozedere für die Crews der Organisationen Sea-Watch und SOS Méditerranée - und für die von ihnen Geretteten: In der vergangenen Woche nahmen die «Ocean Viking» die «Sea-Watch 3» insgesamt mehr als 800 Menschen an Bord und bewahrten sie so vor dem Ertrinken im Mittelmeer. Doch erst am Wochenende durften sie die Häfen von Pozzallo und Trapani auf Sizilien ansteuern, nachdem die Lage der in bedrückender Enge auf Deck ausharrenden Geflüchteten sich dramatisch zugespitzt hatte.

Die «Ocean Viking» traf am Sonntag mit 549 Menschen an Bord in Pozzallo im Südosten Siziliens ein, wie SOS Méditerranée auf Twitter mitteilte. Das Schiff «Sea-Watch 3» mit knapp 260 Geretteten hatte Trapani an der Westküste der Insel am Vortag erreicht. Die Crews hatten die Menschen in jeweils mehreren Einsätzen in den vergangenen Wochen aus Seenot gerettet. Sie waren in teils überfüllten Booten unterwegs von Nordafrika in Richtung EU. In den vergangenen Tagen hatte die italienische Küstenwache mehrmals einzelne Personen wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes von Bord der «Ocean Viking» geholt. Viele waren seekrank oder erschöpft.

In Hamburg hielten am Sonntag unterdessen Aktive des Bündnisses Seebrücke eine Kundgebung für sichere Fluchtwege, gegen illegale Rückführungen von Geflüchteten etwa nach Libyen und gegen die Kriminalisierung von Seenotrettern ab. Im Aufruf zur Kundgebung heißt es: Die zivilen Seenotrettungsorganisationen füllen seit Jahren eine Lücke, die die EU niemals hätte entstehen lassen dürfen. Die Lücke, die durch fehlende völkerrechtlich gebotene Seenotrettung entsteht, fordert Hunderte Menschenleben jährlich.«

Bereits am Samstag waren in Berlin, München und rund einem Dutzend weiterer Städte mehrere Tausend Menschen im Rahmen eines europaweiten Aktionstages unter dem Motto »Seenotrettung ist unverhandelbar! Free the Ships – Stop the Pushbacks – Menschenrechte jetzt!« auf die Straße gegangen. Aufgerufen hatten neben Seebrücke auch Rettungsorganisationen, Pro Asyl, Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen.
Die Organisatoren erinnerten daran, dass in diesem Jahr bereits fast 1200 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind. Darüber hinaus seien mehr als 14 000 völkerrechtswidrig von der sogenannten libyschen Küstenwache nach Libyen zurückgebracht worden. Die EU finanziere diese Miliz mit, die EU-Grenzagentur Frontex sei an den Rückführungen beteiligt.

In Italien registrierte das Innenministerium in diesem Jahr bislang rund 30 300 Personen, die in Booten auf dem Staatsgebiet ankamen. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Italien sieht sich weiter von der EU mit der Versorgung der Geflüchteten alleingelassen und fordert deren »Umverteilung« auf andere Staaten.
Wie Sea-Watch berichtete, konnten nach Corona-Tests die meisten Menschen in Trapani von Bord gehen. Alle müssen aber noch 14 Tage auf einer »Quarantänefähre« bleiben. Nur unbegleitete Minderjährige und Familien mit Kindern dürfen die Quarantäne nach Angaben der Organisation voraussichtlich an Land verbringen. Am Sonntagnachmittag befanden sich noch immer 17 Menschen an Bord des Schiffes, unter ihnen »sehr ernsthafte medizinische Fälle« und ihre Familienmitglieder, teilte Sea-Watch auf Twitter mit. Einige von ihnen befänden sich bereits seit neun Tagen auf dem Schiff.

Petra Krischok von SOS Méditerranée sagte der Nachrichtenagentur epd, es werde voraussichtlich zwei Tage dauern, bis alle Geflüchteten die »Ocean Viking« verlassen könnten. Das Schiff musste sechs Tage auf dem Meer warten, bis die italienischen Behörden der Crew den Hafen Pozzallo zuwiesen. »Diese unmenschlichen Wartezeiten dürfen nicht zur Norm werden«, mahnte SOS Méditerranée. Mit Agenturen

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