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Ist Methan der neue Feind?

Dr. Schmidt erklärt die Welt: Woher das Treibhausgases Methan kommt

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Ist Methan der neue Feind?

Es gibt immer mehr Methan in der Luft, hörte ich. Ist das jetzt der Hauptfeind im Treibhauswahnsinn?

So kann man das nicht sagen. Es ist ein wichtiger Feind, das schon. Aber einer, gegen den man möglicherweise schneller etwas erreichen kann als bei CO2.

Sind das denn wirklich die furzenden Kühe, von denen es immer heißt, dass die alles kaputtmachen - Regenwald und Atmosphäre sozusagen?

Na ja, also den Regenwald machen ja die Kühe nicht selber kaputt, sondern die Jungs, die da Rinder auf Weiden treiben wollen und dafür Regenwald abholzen oder abbrennen. Aber richtig, die Tierhaltung ist schon ein relativ großer Faktor - zusammen mit dem Nassreisanbau ist es wahrscheinlich der größte menschenbedingte Faktor.

Der Nassreisanbau, der haut so rein?

Das ist ja quasi ein künstliches Feuchtgebiet, das regelmäßig trockengelegt wird. Und Feuchtgebiete sondern natürlich auch große Mengen von Methan ab. Ein wichtiger Faktor sind auch noch Mülldeponien, genauer der Biomüll dort. Wenn der verrottet, passiert genau das Gleiche: Faulgas, wie man Methan auch nennt.

Aber ist nicht auch Methan im Erdgas drin?

Das ist überhaupt der Hauptbestandteil von Erdgas. Nur wird das Erdgas ja in der Regel nicht einfach so in die Luft gepustet. Aber manche Borlöcher sind undicht. Insbesondere beim Fracking in den USA entweichen große Mengen an Methan.

Du hast gesagt, wenn man jetzt eingreift, könnte man relativ rasch die Klimabilanz extrem verbessern. Warum?

Das Satellitenbild zeigt die Methanfahne über einer Mülldeponie in Alaska
Das Satellitenbild zeigt die Methanfahne über einer Mülldeponie in Alaska

Ja, das hat damit zu tun, dass Methan relativ kurzlebig in der Atmosphäre ist. Unter normalen Umständen wird es durch sogenannte Hydroxyl-Radikale in der Atmosphäre relativ schnell chemisch abgebaut. Aber dummerweise ist seine unmittelbare Klimawirkung 20-mal stärker als die von Kohlendioxid. Über die nächsten 20 Jahre hat es letztlich sogar eine 81-mal stärkere Wirkung. Das heißt also, je schneller man das Zeug weg hat, desto mehr hat man kurzfristig bewirkt.

Wenn man jetzt also das Methan reduziert, dann hat man in 20 Jahren Verbesserungen, oder wie?

Dann hat man erst mal für die nächsten 20 Jahre wenigstens keine Verschlimmerungen.

Aber es gibt ja noch die Permafrostböden. Wenn die auftauen, kommt neues Methan, heißt es.

Darunter lagert oft noch natürliches Methan aus längst vergangenen Zeiten. Und wenn das auftaut, entsteht wieder ein Feuchtgebiet. Und da entsteht durch Verrottung weiteres Methan.

Gibt es noch Hoffnung?

Das ist wie bei dem CO2. Es gibt immer Hoffnung, aber sehr oft werden die Hoffnungen bekanntermaßen enttäuscht.

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