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Humanität bleibt auf der Strecke

Nächtliche Abschiebungen sollten abgeschafft werden

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 1 Min.
Polizeibeamte begleiten Ende Juli einen Afghanen auf dem Flughafen Leipzig-Halle in ein Charterflugzeug.
Polizeibeamte begleiten Ende Juli einen Afghanen auf dem Flughafen Leipzig-Halle in ein Charterflugzeug.

Deportationen – so nennen Geflüchtete selbst Abschiebungen. Ein Wort, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen. Das erinnert an Regime, die brutale Polizeigewalt ausüben, Leute abholen und verschleppen lassen. Tatsächlich erleben Ausreisepflichtige hierzulande ähnliche Szenarien: Polizeikommandos holen sie mitten in der Nacht ab, um sie mit Nachdruck und nicht selten mit Gewalt außer Landes zu bringen. Dies ist rechtens, weil die Asylbehörden es so entschieden haben. Allerdings drängt sich oft der Eindruck auf, dass die Behörden darauf aus sind, möglichst wenigen Menschen Asyl zu gewähren. Viele Geflüchtete klagen nämlich darüber, dass ihre Anhörungen nicht fair waren und sie keine Chance hatten, anerkannt zu werden.

Die Humanität bleibt bei den Asylverfahren offenbar auf der Strecke, und die Beschwerde von Sachsens Innenminister Roland Wöller, wenn nachts nicht abgeschoben werden würde, dann gäbe es gar keine Abschiebungen mehr, ist blanker Populismus. Er wirft den Leuten per se vor, untertauchen zu wollen. Das ist unredlich. Stattdessen sollte in Sachsen wie in jedem anderen Bundesland klipp und klar entschieden werden, auf nächtliche Abschiebungen zu verzichten, weil sie für viele Menschen, die oftmals aus Kriegsgebieten kommen, neuerliche traumatische Erlebnisse sind.

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