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Geteiltes Gedenken

Das geplante Memorial für polnische NS-Opfer zeigt Leerstellen der deutschen Erinnerungspolitik

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 1 Min.
Der geplante Gedenkort für die Opfer der Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg in Polen ist Ausdruck einer Politik, die Konflikte schürt. Die Chance, ein gemeinsames Memorial für alle Opfer des Vernichtungskrieges der Wehrmacht in Osteuropa inklusive Lernorten und Begegnungsstätten für Menschen aus allen betroffenen Staaten zu schaffen, ist mit dem Vorantreiben dieses Separatprojekts endgültig vertan.

Vertreter der Großen Koalition argumentierten, man provoziere Verstimmung bei den polnischen und baltischen Partnern, wenn man einen gemeinsamen Gedenkort plane. Dabei hätte man nur mit einem solchen die erklärten Ziele des Hitlerregimes in den Mittelpunkt rücken können: Völkermord und »Lebensraum«-Eroberung. Im Bundestag hat sich vor allem die Linke für diesen Ansatz engagiert – vergeblich. Die Große Koalition stößt nun mit dem Mahnmal für die polnischen Opfer wissentlich erneut andere Gruppen vor den Kopf. Und ein Erinnerungsort für die 27 Millionen sowjetischen Kriegstoten, von denen 14 Millionen Zivilisten und mehr als 3 Millionen Kriegsgefangene waren, bleibt weiter eine Leerstelle deutscher Erinnerungspolitik. Dazu passt, dass die GroKo im Juni jegliche Geste der Demut zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion verweigerte.

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