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Fitness am Strand

  • Von Reinhard Renneberg
  • Lesedauer: 3 Min.

»Und: Fitter geworden in drei faulen Wochen am Strand der Ostsee?«, fragt mich per WhatsApp mein guter Freund Bernd Gründig aus Leipzig zu meinem 70. »Na klar! Fühle mich blendend! Fit wie ein Turnschuh!«

»Na, dann mach mal meinen Lactat-Test! Der zeigt ohne Schmus Deine echte Fitness an. Du bist doch Wissenschaftler!« Gesagt, getan. Ich nehme den Taschen-Biosensor für Lactat von Gründigs Firma SensLab aus der Tasche, renne dann am Strand barfuß durch den Sand … 30 endlose Minuten lang. Meine sächsischwen Strandkorb-Nachbarn schütteln die Köpfe über den irren Professor …

Schweißgebadet komme ich an, entferne den Schweiß vom Finger (das Lactat darin würde die Messung verfälschen), nehme mit einem Pieks eine Blutprobe, Bluttropfen auf den Sensor-Chip.

Ich weiß theoretisch: Fitness ist mit ausdauernder Muskelarbeit verbunden. Dafür stellen Muskelzellen Energie durch energiereiche Phosphorverbindungen (Adenosintriphosphat, ATP) bereit. Bei Muskelbelastung wird dieses ATP schnell verbraucht, und es muss für Nachschub ran. Bei moderater körperlicher Belastung und ausreichender Sauerstoffversorgung erfolgt die Re-Synthese des ATP.

Bei sehr starker muskulärer Belastung reicht der Sauerstoff aber für die höhere Abbaurate des Glykogens bzw. der Fette nicht mehr aus. Ohne Sauerstoff wird hierbei Muskel-Glykogen über Glukose zu Milchsäure abgebaut, um die erforderliche Energie für die Muskelarbeit bereitzustellen. Milchsäure dissoziiert zu Lactat und Wasserstoffionen, das Zellmilieu wird saurer! Dadurch verschlechtern sich die Bedingungen für die enzymatische Glykolyse in den Zellen, und die Leistungsfähigkeit des Muskels nimmt ab. Er wird regelrecht sauer und müde.

Wird eine höhere Muskelarbeit abgefordert, bildet sich jetzt ohne Sauerstoff mehr Lactat, als abgebaut werden kann, und in der Folge erhöht sich die Lactat-Konzentration im Blut.

Die Kenntnis des anaeroben Lactatschwellwertes ermöglicht einen optimalen Trainingseffekt und damit eine gezielte Leistungssteigung. Je trainierter die Testperson ist, umso geringer wird auch die Zunahme des Lactats sein.

Freizeitsportler wie ich wollen meist nicht nur ihre Fitness verbessern, sondern auch ein paar Pfunde verlieren. Prinzipiell werden im aeroben Energiestoffwechsel bei einer Belastungsdauer von mindestens 60 bis 90 Minuten die körperlichen Fettreserven optimal in Anspruch genommen.

Für die Bestimmung der Lactatwerte durch analytische Laien hat Gründigs Firma ihre Lactatsensor-Chips entwickelt, die für die Messung einen Bluttropfen von lediglich 0,3 Mikroliter und zehn Sekunden Zeit benötigen.

Also: »Suuuper! 6.0 mmol pro Liter! Nun, Bernd, wie fit bin ich?«

Gründig antwortet sofort per E-Mail, höflich-diplomatisch wie immer: »Naja … Nicht ganz schlecht für einen Sessel-F… Pardon: Schreibtisch-Täter. Ab morgen also täglich 60 Minuten Fitness-Training am Strand!«

Hätte ich doch bloß nicht gefragt …

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