Ins Straucheln geraten

Hartnäckige Fragen bringen Franco A. in Bedrängnis

  • Joachim F. Tornau, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 4 Min.
Eigentlich hat Franco A. wieder einen seiner Vorträge halten wollen. Hat referieren wollen über eine «Bedrohungslage» in der Kaserne im elsässischen Illkirch, wo er als Bundeswehroffizier in der deutsch-französischen Brigade Dienst tat. Gemeint sind mögliche Anschläge, islamistisch motiviert wohl, auf Soldaten. «Diese Bedrohungslage», erklärt der 32-Jährige, gestelzt wie so oft, wenn er zu seinen Ausführungen ansetzt, «war einer der Gründe, warum ich diese Verteidigungsmittel vorgehalten und mich jenseits des Legalen bewegt habe.

Es ist der 16. Verhandlungstag im Prozess gegen den Offizier aus Offenbach, dem die Bundesanwaltschaft die »Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat« vorwirft. Franco A. soll rechtsextreme Mordanschläge geplant, sich dafür bewaffnet und eine falsche Identität als Geflüchteter zugelegt haben. Er bestreitet das. Zugegeben hat er nur sein mehr als ein Jahr dauerndes Doppelleben als angeblicher Syrer »David Benjamin«. Und er hat den illegalen Besitz von drei Schusswaffen eingeräumt, darunter ein Sturmgewehr, sowie von mehr als tausend Schuss Munition. »Selbstverteidigungsmittel« nennt er das jetzt, als er zu seinem Vortrag ansetzt.

Doch kaum hat Franco A. angefangen, da bringt ihn Christoph Koller, der Vorsitzende des Staatsschutzsenats am Frankfurter Oberlandesgericht, mit einer einfachen Frage aus dem Konzept: »Hatten Sie die Waffen denn in der Kaserne?« Der Angeklagte zögert: »Nein.« – »Das ist nicht logisch«, kontert Koller kühl. Denn was, bitteschön, nütze es, Waffen in Offenbach zu horten, wenn man sich in Illkirch bedroht fühle? »Wenn Sie meinen, dass das nachvollziehbar ist, ist das schön. Ich meine das nicht.«

Ob der Angeklagte nicht vielleicht endlich sagen wolle, wann und von wem er die Waffen bekommen habe, wo er sie aufbewahrt habe, geladen oder ungeladen, und wo sie heute seien? Ob es also, kurz gesagt, nicht an der Zeit sei für eine »sinnvolle Einlassung«? »Halten Sie uns nicht für blöd!«, warnt der Richter. »Sie meinen, dass Sie so intelligent sind und über dem Verfahren stehen.« Bislang aber gebe es kaum etwas, was das Gericht am Ende zu seinen Gunsten werten könnte.

Doch der rechtsextreme Soldat will die Fragen nicht beantworten, immer noch nicht. »Ich will da keinen reinreiten«, sagt er. Nur in einem Punkt schwenkt er schließlich um: Er habe, gibt er zu, die Schusswaffen nebst Munition gelegentlich auch in seiner Straßburger Privatwohnung gehabt. Um sich verteidigen zu können, wenn islamistische Terroristen, wie er angeblich ernsthaft befürchtete, seine Kaserne überrennen würden. Oder gleich das ganze Land.

»Haben das mehrere Kameraden gemacht, Waffen zu Hause aufzubewahren?«, will einer der beisitzenden Richter wissen. »Meines Wissens war ich der einzige«, sagt Franco A. Und was habe er dann ausrichten wollen, so ganz alleine mit drei Waffen, gegen eine Übermacht von, wie er annahm, »Hunderten oder Tausenden« Terroristen? »Ich hätte die Waffen ja auch weitergegeben«, antwortet der Angeklagte. »An den erstbesten Kameraden.« Es ist nicht das erste Mal, dass Franco A. mit seinen Erklärungsversuchen ins Straucheln gerät.

Bereits am vorangegangenen Verhandlungstag hatte eine österreichische DNA-Gutachterin eine andere seiner wortreich wiederholten Geschichten schwer erschüttert. Es ging um die Pistole, die im Februar 2017 zur Festnahme des aufstrebenden Soldaten geführt hatte: Der Offizier war von der Polizei erwischt worden, als er die geladene Waffe aus einem Versteck am Wiener Flughafen Schwechat holen wollte. Nach seiner Darstellung hat er die Pistole bei einem Wien-Besuch wenige Tage zuvor zufällig beim Pinkeln in einem Gebüsch gefunden, eingesteckt, vergessen und erst am Flughafen in seiner Jackentasche wiederentdeckt. Und dann eben ganz schnell loswerden müssen.

Die Sachverständige indes befand, dass die Spuren dazu nicht passen. Ausschließlich DNA des Angeklagten habe sie gefunden, und zwar überall auf der Waffe und auf dem Magazin und in so großer Dichte, dass das für einen längeren und vertrauten Umgang spreche. Ein Wirkungstreffer, eigentlich. Doch Franco A. lässt sich davon nicht beirren. Selbstbewusst kann man das nennen. Oder frech.

Schon als er damals in der Kaserne von Illkirch zur Vernehmung beim Major gebeten wurde, war er so aufgetreten. Und auch da schon reagierte er auf kritische Fragen so, wie er es auch im Prozess immer wieder versucht: ausschweifend, doch ohne echte Antwort. Warum er nicht seine Vorgesetzten oder die Behörden über den Waffenfund unterrichtet habe, sondern stattdessen noch einmal nach Wien geflogen sei? Viele Worte hat der Offizier notiert, der bei der Befragung das Protokoll führte. Aber, erinnert er sich nun als Zeuge: »Er ist nicht tiefer in die Materie eingegangen.«Franco A. kennt den Mann offenbar gut, er duzt ihn und würde ihn gerne als Kronzeugen nutzen für die »Bedrohungslage« von Illkirch. Doch den Gefallen tut ihm der 43-Jährige nicht – und Franco A. hebt an zu seinem Vortrag.

Der Prozess wird fortgesetzt, noch lange. Mittlerweile reichen die Termine bis ins neue Jahr.

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