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Starke Frauen

Eine Erinnerung an Eberhard Panitz

  • Von Irmtraud Gutschke
  • Lesedauer: 3 Min.
Es war etwas unverblümt Offenes, Ehrliches in seinem Wesen und seinen Texten.
Es war etwas unverblümt Offenes, Ehrliches in seinem Wesen und seinen Texten.

Als Sohn eines Straßenbahnschaffners und einer Verkäuferin kam er 1931 in Dresden zur Welt und hat erlebt, wie die Stadt brannte. Dass es ein neues, anderes Deutschland geben müsse – nie zweifelte er daran. Die DDR ließ ihn studieren und schließlich zum Schriftsteller werden, der viele begeisterte Leser hatte. Unterhaltsam und spannend sollten seine Bücher sein, für ein breites Publikum zugänglich. Am 1. Oktober ist Eberhard Panitz in Berlin gestorben. Er wurde 89 Jahre alt.

Eines seiner Themen: die Dresdner Wurzeln. Einprägsam, unvergesslich sein Roman »Meines Vaters Straßenbahn« (1979) und »Mein lieber Onkel Hans« (1982), beide mit autobiografischen Bezügen. Es war etwas unverblümt Offenes, Ehrliches in seinem Wesen und seinen Texten. Er machte sich selbst nicht zum Kunstwerk, wollte so sein, wie er war.

Wenn im »ND« von damals Stellungnahmen zu aktuellen Themen gesucht wurden, verweigerte er sich nicht. Eberhard Panitz stand zur Politik der DDR und hielt auch mit kritischen Bemerkungen nicht hinterm Berg. Und er war sehr produktiv. Weit über fünfzig Buchveröffentlichungen, zehn Drehbücher, vier Hörspiele – und auch nach 1990 blieb er fleißig als Autor, der sich als politisch denkender Mensch verstand.

Die deutsche Vergangenheit ließ ihn nicht los, und weiterhin zog es ihn in fremde Länder wie schon 1978 in »Gesichter Vietnams«. Politisch wachen Lesern sprach er aus dem Herzen mit »Comandante Che« (1997), »Cuba mi Amor« (2004) oder »Geheimtreff Banbury – Wie die Atombombe zu den Russen kam« (2003). Was Ostdeutsche nach 1990 an Kränkungen erlebten, empfindsam und trotzig nahm er es auf, immer mit Blick auf neue weltpolitische Gefahren. Da hat sein spannender Roman »Eiszeit« (1982), als Warnung vor einem Atomkrieg entstanden, 2016 sogar nach einer Neufassung gerufen.

Wenn man ein Herzensthema dieses Schriftstellers nennen soll, so waren es die Frauen, die für ihn keine »Piepsmäuse«, sondern starke Persönlichkeiten sein sollten, aufmüpfig und erotisch selbstbewusst. Denn so ist das Frauenbild der DDR doch gewesen: Wir wollten, dass man uns die Tür aufhält und ansonsten unsere Wahl treffen. Dafür brauchten wir nicht Feministinnen zu sein. Von den Romanen »Die sieben Affären der Doña Juanita« (1972) und »Die unheilige Sophia« (1974) zieht sich das Thema Emanzipation durch Eberhard Panitz’ Werk bis hin zu »Frau im Dämmerlicht« (2014), wo es um eine schwierige Ost-West-Beziehung geht.

Ursprünglich hatte Professor Karl Bergmann eine Haushaltshilfe gesucht und staunt, dass Lissy Schmidt eine Studierte ist, die ihre Stelle als Russischlehrerin verloren hat. Bergmann ist mit linken Überzeugungen und viel Neugier in den Osten gekommen. Interessante Gespräche entspannen sich – und Lissy zeigt sich nicht verschlossen, obgleich sie weiß, dass er verheiratet ist. Die Ehefrau taucht auf. Und im Hintergrund die Nachrichten im Fernsehen, von denen eine bedrohliche Stimmung ausgeht. Wie wird sich der Konflikt lösen? Man sieht Lissy nackt auf den See hinausschwimmen. Was die Leute sagen? Nicht ihre Sache!

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