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Kein Blitzbesuch von der Weltraumärztin

DR. SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT: Was passiert, wenn ein Kosmonaut im All erkrankt?

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 3 Min.
Kein Blitzbesuch von der Weltraumärztin

Ein russischer Regisseur und eine Schauspielerin waren auf der Weltraumstation ISS, um einen Notarzteinsatz zu drehen. Ist das filmisch sinnvoll, oder könnte man das auch gut auf der Erde simulieren?

Das ginge sicher problemlos auf der Erde, aber für die Vermarktung machen Szenen aus dem All natürlich mehr her. Wenn ich mir Stanley Kubricks »2001: Odyssee im Weltraum« anschaue, der Mitte der 60er noch keine Bilderfahrungen von Raumstationen haben konnte, dann ist das derart realistisch gedreht, dass ich denke, es geht beim Weltraum-Shooting mehr um Werbung als um ernsthafte künstlerische Arbeit.

Ist so ein Weltraum-Notarzteinsatz derzeit denkbar?

Dass eine Chirurgin ad hoc hochfliegt, um einen erkrankten Kosmonauten zu operieren - das ist ein kühnes Szenario. Selbst die Chinesen, die momentan am schnellsten zu Starts in der Lage sind, weil sie praktisch immer ein Raumschiff in Reserve halten, brauchen etwa acht Tage Vorbereitung.

Eine akute Blinddarmreizung an Bord der ISS wäre also kritisch.

Sie wäre jedenfalls nicht bei einem kurzfristigen Arztbesuch zu behandeln.

Ist bei den Dauerbesatzungen im All jemand mit medizinischer Ausbildung dabei?

Die haben eine bessere medizinische Grundausbildung als das, was man beim Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein lernt. Sie müssen in der Lage sein, eine Wunde zu nähen, und auf der Station gibt es einen Defibrillator, falls jemand einen Herzstillstand erleidet.

Gab es schon mal medizinische Krisenfälle in der Raumfahrt?

Nicht dass ich wüsste. Aber man kann davon ausgehen, dass die professionellen Kosmonauten, Astronauten oder Taikonauten vor dem Abflug so gut durchgecheckt werden, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein halbes oder ganzes Jahr gesund durchhalten. Anders sieht das aus, wenn der Marsflug realistisch wird, da geht es um weitaus längere Zeiträume und größere Entfernungen.

Wer ein Jahr im All war - ist der dann anfälliger für Infektionen?

Kann durchaus sein. Viel ärger sind andere Einschränkungen: Der ganze Knochenapparat leidet trotz speziellen Trainings, die Muskulatur auch. Deshalb werden ja die Rückkehrer nach der Landung erst mal in Liegesessel gepackt.

Dieser Tage wurde zum ersten Mal eine Kreditkartenzahlung in der Stratosphäre erledigt. Ist dafür ein praktischer Nutzen absehbar?

Das ist wohl auch bloß ein Werbegag. Kreditkartenzahlungen müssen aus Sicherheitsgründen sehr schnell gehen; so schnell kann das Funksignal kaum bis zum Zentralrechner des Zahlungsdienstleisters kommen. Wer heute als Tourist einen Weltraumflug bucht, zahlt doch sicher vorher all inclusive.

Anders sieht es aus, wenn die angereiste Notärztin erst operiert, nachdem der Patient seine Krankenkassenkarte gescannt hat.

Hast du die dann nicht dabei, wird es ernst.

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