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Sterben für die Kunst?

Erik Zielke über den tödlichen Schuss am Filmset in den USA

  • Von Erik Zielke
  • Lesedauer: 1 Min.

Bei Dreharbeiten für den Westernstreifen »Rust« im US-amerikanischen Santa Fe ist es zu einem tödlichen Unfall gekommen: Hauptdarsteller Alec Baldwin hat beim Abfeuern einer Requisitenwaffe, die sich als scharf entpuppte, eine Kamerafrau erschossen und den Regisseur verletzt. Kann man dem Schauspieler Baldwin dafür einen Vorwurf machen? Wohl kaum.

Aber der Produzent Baldwin sollte sich einige Fragen gefallen lassen. Wie sich herausstellte, waren die Arbeitsbedingungen am Filmset katastrophal: Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung, bei den Sicherheitsvorkehrungen und bei der Unterbringung des Teams haben zu einem Streik - selten genug - einiger Mitarbeiter am Unfalltag geführt. Sie wurden umgehend ersetzt durch nicht gewerkschaftlich organisierte Filmschaffende.

Selbstverständnis und Arbeitsmoral in der Kreativbranche sind schon lange vorbildhaft für die Neoliberalisierung der Arbeitswelt. Hier wird selten nach Schutzmaßnahmen, nach adäquater Bezahlung, nach Arbeitszeiten gefragt. Denn wo der Beruf immer Berufung ist, jede Pflichterfüllung auch im Zeichen der vorgeblichen Selbstverwirklichung steht, wo es angeblich nicht um Profite, sondern um die schöne Kunst geht, geraten Arbeitnehmerrechte in den Hintergrund. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

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