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Wie eine Schule für alle sein sollte

Inklusive Bildungsstätten sind eine Frage der Ressourcen

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Die inklusive Schule, in der behinderte und nicht behinderte Kinder und Jugendliche gemeinsam lernen, ist prima. Aber nur, wenn diese Schulen die erforderlichen finanziellen Mittel und das nötige Personal erhalten. Als Brandenburg 2011 damit an ausgewählten Bildungsstätten begann, ist das beherzigt worden. Die damalige Bildungsministerin Martina Münch (SPD) bekam viel Gegenwind, schlug sich aber eigentlich ganz gut. Wenn dereinst alle Schulen im Bundesland inklusiv sein sollten - man wagt es kaum zu glauben, dass es einmal so weit kommt -, dann müsste die gute Ausstattung der Modellschulen aus der Anfangsphase die Richtschnur sein.

Wie Inklusion auf gar keinen Fall funktioniert, hat die Berliner Senatsbildungsverwaltung in gewohnt eindrucksvoller Weise unter Beweis gestellt. Wenn behinderte Kinder ohne erkennbares Konzept einfach in ohnehin schon zu große Regelschulklassen gesteckt werden, dann kann es natürlich nicht klappen. Wenn ein geistig behindertes Kind in der dritten oder sogar fünften Klasse nicht einmal ansatzweise lesen kann, dann wird das Bildungssystem für dieses Kind zum Alptraum. Denn es kann dem Unterricht ohne die Grundfertigkeit des Lesens gar nicht folgen. Es ist für das Kind frustrierend und überdies sinnlos, es dann irgendwann mit binomischen Formeln, dem Periodensystem der Elemente und Johann Wolfgang von Goethe zu quälen. Dann wäre es doch besser, dieses Kind sitzt zehn Jahre lang in einer Förderschule und bekommt dort wenigstens so viel Lesen und Rechnen beigebracht, dass es später ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben führen kann.

Es nützt wenig, Eltern zu agitieren, die glauben, ihr Kind sei auf einer Förderschule besser aufgehoben. Es nützt viel, sich als Bildungspolitiker zu fragen, warum das so ist und wie man das ändern könnte.

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