Preiswerte Symbolik

Der diplomatische Olympiaboykott gegen China wird den Uiguren nicht helfen

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.
Auch unter Joe Biden bleiben die Beziehungen zwischen den USA und China auf einem Tiefpunkt.
Auch unter Joe Biden bleiben die Beziehungen zwischen den USA und China auf einem Tiefpunkt.

Ein billiger Ausweg ist besser als ein fauler Kompromiss. Die US-Regierung unter Präsident Joe Biden zeigt sich immerhin mutig, mit dem Diplomatenboykott der Olympischen Spiele 2022 in Peking ein Zeichen gegen Menschenrechtsverstöße in China zu setzen. Die Frage ist nur: Bringt der etwas?

Wie bei so vielen Sportboykotten in den vergangenen 50 Jahren wird auch dieser wirkungslos bleiben. China sieht nun mal nicht ein, dass am Umgang mit den Uiguren in Xinjiang oder den Bürgern von Hongkong irgendetwas Verwerfliches sei. Also reagiert Peking auf politischen Druck oder andere symbolische Gesten mit Gegenbeschimpfungen oder Ignoranz. Auch der Weg über ein Sportereignis wird daher nicht zum Ziel führen.

Wenn es überhaupt einen gibt, dann wahrscheinlich nur den ökonomischen. US-Firmen ist es zwar nicht erlaubt, von Zwangsarbeit in China zu profitieren, aber noch ist keine angeklagt worden – obwohl einige an Zwangstransporten von Arbeitern beteiligt gewesen sein sollen und andere ihre Lieferketten nicht ausreichend kontrollieren. Die Olympiasponsoren aus den USA dürfen auch weiterhin mit den Spielen in Peking werben. Ein Verbot würde die US-Regierung wohl auch Milliarden bei Regressklagen kosten. Ein Diplomatenboykott dagegen ist viel billiger zu haben.

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