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Warten auf Omikron

Linke kritisiert Berliner Schulverwaltung für ihr Corona-Krisenmanagement

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 4 Min.
Berlins Noch-Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) verweist gern darauf, dass nigendwo sonst so intensiv auf das Virus getestet wird wie an den Schulen. Die Linke bezweifelt, dass das allein hilft in der Pandemie.
Berlins Noch-Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) verweist gern darauf, dass nigendwo sonst so intensiv auf das Virus getestet wird wie an den Schulen. Die Linke bezweifelt, dass das allein hilft in der Pandemie.

Angesichts der Sorgen um ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für Kinder durch die Omikron-Variante des Coronavirus fordert die Berliner Linke die Senatsbildungsverwaltung zum Handeln auf. Was den Unterricht an den Schulen betreffe, müsse das Haus der geschäftsführenden Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dringend die Zeit nach den Weihnachtsferien in den Blick nehmen. »Es ist wichtig, dass wir uns auf den Januar vorbereiten. Die Schulen, aber auch die Eltern brauchen hier Planungssicherheit«, sagt die Linke-Bildungspolitikerin Franziska Brychcy am Montag zu »nd«. Ihr fehle hier eine klare Strategie, wie auf unter Umständen rasant steigende Infektionszahlen reagiert werden soll.

»Wir haben an den Schulen eine Notsituation und schlittern mit Omikron in eine noch größere, da muss gehandelt werden«, sagt auch Regina Kittler. Die langjährige bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus fordert nicht nur eine Vorverlegung des Beginns der Weihnachtsferien. »Man muss auch schauen, ob die Ferien im Januar nicht verlängert werden oder die Schulen erst einmal zum Homeschooling zurückkehren, natürlich mit Möglichkeiten der Notbetreuung«, sagt Kittler zu »nd«.

Sowohl Kittler als auch Brychcy bezeichnen es als »unverständlich«, weshalb Berlin - anders als ursprünglich mal vereinbart - mit Brandenburg in schulpolitischer Hinsicht nicht an einem Strang ziehe. »Die Bildungsverwaltung stimmt sich offensichtlich nur mit Brandenburg ab, wenn es ihr in dem Kram passt«, so Kittler. Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte vor dem Hintergrund der Infektionslage Ende November den Beginn der Weihnachtsferien um drei Tage auf den 20. Dezember vorgezogen und zudem die Präsenzpflicht für Schülerinnen und Schüler aufgehoben (»nd« berichtete).

Wenigstens an den Berliner Schulen, an denen die Infektionszahlen durch die Decke gehen, sollte das eigenverantwortliche Aussetzen der Anwesenheitspflicht durch die jeweilige Schulleitung möglich sein, fordert nun Linke-Politikerin Franziska Brychcy. »Aber das ist schlicht nicht vorgesehen. Auch an diesen Schulen wird das 08/15-Programm durchgezogen«, so Brychcy weiter.

Veränderungen dieser Art stehen in Berlin weiterhin ebenso wenig zur Debatte wie das vielfach geforderte Vorziehen der Weihnachtsferien. »Oberste Priorität« habe der Regelbetrieb mit Präsenzpflicht, auf den sich auch jüngst die Kultusministerkonferenz der Länder verständigt hat, sagt Martin Klesmann, Sprecher der Bildungsverwaltung: »Schon weil die Sieben-Tage-Inzidenzen auch bei Berlins Schülerinnen und Schülern aktuell rückläufig seien, sehen wir keinen Grund, von dieser Linie abzuweichen«, so Klesmann zu »nd«. Generell betrachte man die Entwicklung aber weiterhin genau und stehe »in einem ständigen Austausch mit der Gesundheitsverwaltung und mit Wissenschaftlern«.

Tatsächlich hat sich das Infektionsgeschehen in den betreffenden Altersgruppen innerhalb der vergangenen Wochen zum Teil deutlich abgeschwächt. So lag der Wert bei den 10- bis 14-Jährigen Ende November noch bei über 1000 Infektionen je 100 000 Einwohnern binnen einer Woche. Seither sinkt er mehr oder weniger kontinuierlich, auf inzwischen - Stand Montag - etwas unter 700. Allein, das ist immer noch ein Wert, bei dem vor einem Jahr wohl fast niemand sein Kind in die Schule geschickt hätte.

Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz erinnert dabei daran, dass natürlich »die Situation eine andere ist« als vor einem Jahr. Fast alle Lehrkräfte seien inzwischen geimpft, es gebe Impfangebote für die über Zwölfjährigen, ab Mitte dieser Woche auch für die über Fünfjährigen. »Und die Möglichkeit der Kinderimpfung wird viele Eltern entlasten«, sagt Bildungspolitikerin Burkert-Eulitz zu »nd«. Denn, ja, das sei nicht von der Hand zu weisen: »Eine entspannte Schulsituation haben wir nicht.« Von den Vorschlägen der Linken hält sie trotzdem nicht viel. »Es sollte so viel Unterricht wie möglich geben.« Auch die Idee, Schulleitungen die Möglichkeit zu eröffnen, die Präsenzpflicht selbst aufzuheben, nennt Burkert-Eulitz »unausgegoren«: »Was wäre denn hierfür das Kriterium?«

Linke-Politikerin Regina Kittler ist diese Herangehensweise zu defensiv gedacht. Sie rechnet mit einem massiven Anstieg der Quarantänefälle, »wenn Omikron richtig an den Schulen durchschlägt«. Die Lehrkräfte würden schon aktuell mal wieder am Limit arbeiten. »Warum gibt es nicht in jedem Bezirk mindestens eine eigens eingerichtete Online-Schule für Schülerinnen und Schüler in Quarantäne? Das wäre auf jeden Fall besser als überhaupt kein Unterricht oder das sture Abarbeiten von Arbeitsblättern.«

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