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Mit Kopftuch und Boxhandschuhen

Das Selbstbewusstsein, das der 20-jährigen Doha Taha Beydoun früher fehlte, hat sie sich im Sport geholt

  • Von Philipp Znidar, dpa
  • Lesedauer: 4 Min.
Boxtrainerin Doha Taha Beydoun trainiert mit einer ihrer Boxerinnen. Sie möchte ihnen auch Selbstbewusstsein beibringen.
Boxtrainerin Doha Taha Beydoun trainiert mit einer ihrer Boxerinnen. Sie möchte ihnen auch Selbstbewusstsein beibringen.

Sie ist erst 20 Jahre alt, verheiratet, im vierten Monat schwanger, Muslima und Boxtrainerin. Ihre Eltern sind aus dem Libanon nach Deutschland ausgewandert, als sie ein Baby war. Sie wirke auf einige »merkwürdig«, da ihre Nationalität, Religion und Sportart scheinbar nicht zusammenpassen, sagt Doha Taha Beydoun. Andere sehen sie als Vorbild, berichtet sie. »Ich kämpfe gegen alle Vorurteile.«

Seit fünf Jahren macht Taha Beydoun das Boxtraining. Schon während ihrer Schulzeit war sie sportlich aktiv, aber zurückhaltend. »Ich war nicht sehr selbstbewusst, war sehr schüchtern, ich hab mich auch nie getraut, etwas zu sagen in der Schule«, erzählt sie. Ihr sei es deshalb wichtig gewesen, beim Sport nur unter Mädchen zu sein, um sich selbst offener und lockerer fühlen zu können. Mit diesen Voraussetzungen recherchierte sie im Internet und ist dabei auf den Berliner Verein Boxgirls gestoßen. Boxgirls wurde 2005 gegründet und hatte sich das Ziel gesetzt, Mädchen und Frauen dabei zu unterstützen, sich selbstständig und mutig in ihren Kiezen und Gemeinden einzusetzen. Dadurch sollen Orte der Chancengleichheit und Inklusion geschaffen werden. Der Verein bietet dafür regelmäßiges Boxtraining an - eine Sportart, die noch immer sehr von Männern dominiert ist. Außerdem gehen die Trainerinnen aber auch in Schulen, geben Workshops und sind in verschiedenen Projekten engagiert.

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Seit drei Jahren ist Taha Beydoun auch als Boxtrainerin tätig, sowohl bei den Boxgirls als auch beim Verein Seitenwechsel. Seitenwechsel ist ein Sportverein für Frauen unterschiedlicher sexueller Orientierung, Trans- oder Intersexuelle. Hier trainiert sie Frauen ab etwa 25 Jahren und ist somit die Jüngste. Der Schwerpunkt bei den Boxgirls hingegen liegt im Mädchen-Jugendbereich. Diese Mischung sei eine besondere Herausforderung, wenn sie etwa viermal in der Woche in der Halle steht, sagt Taha Beydoun.

»Es braucht viel Zeit, Geduld und Kraft, aber es ist sehr schön, wenn man sieht, wie sich die Kinder weiterentwickeln im Positiven«, sagt sie über die Mädchen bei den Boxgirls. Neben dem bloßen Training stecke viel soziale Arbeit drin, weil auch über Mobbing und Selbstbewusstsein geredet wird. Das Selbstbewusstsein, das sie den Kindern beibringt, hatte ihr lange Zeit gefehlt. »Wenn ich irgendwo neu bin, komme ich immer mit Hintergedanken, also wie werde ich aufgenommen, wie werde ich akzeptiert in der Uni und so weiter.«

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Diskriminierung haben auch einige Teilnehmerinnen bei Seitenwechsel erlebt, weil sie anders sind. Das Training mit Taha Beydoun bietet einen geschützten Raum, weil auch sie, umhüllt mit einem Kopftuch, anders sei. »Früher ist es mir oft passiert, dass ich angefeindet wurde, in der Tram, U-Bahn, im öffentlichen Verkehr mit Blicken, schlechten Aussagen oder lauten Beschimpfungen«, erzählt sie. Ihre Gruppen bezeichnet sie deshalb auch gerne als Selbsthilfegruppen, weil die Erfahrungen sie miteinander verbinden.

»Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben«, sagt Annett, eine der Teilnehmerinnen. Seit knapp sechs Jahren ist sie schon dabei, boxte zuvor in einem gemischten Fitnessstudio und findet das Training ausschließlich unter Frauen sogar härter. Hier gehe es mehr um Kondition, Ausdauer und auch mehr ums Miteinander. Die Trainingseinheiten werden angepasst, man stelle sich mit Namen und Pronomen vor.

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»Es ist mir wichtig, dass man nicht jemanden ausgrenzt«, sagt Taha Beydoun. Den Kampf gegen Diskriminierung hat sie sich zur Aufgabe gemacht. »Für mich bedeutet es, dass egal welcher Mensch hier reingeht, ich ihn so akzeptiere, wie er ist - egal, welche Hautfarbe man hat, welcher Nationalität oder Religion man angehört«, sagt die 20-Jährige. »Das alles steht im Hintergrund und man sollte den Menschen so sehen, wie er ist, und akzeptieren.«

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