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Der Fisch stinkt vom Kopf

In der katholischen Kirche hatte Täterschutz und Schutz der Institution immer höchste Priorität

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.

Sie konnten es tun, weil sie von ihren Vorgesetzten gedeckt wurden: Immer wieder war das Kernaussage von Gutachten zu von Geistlichen verübter sexualisierter Gewalt an Kindern.

Jene, die eigentlich «gute Hirten» für ihre Gemeinden sein und ihnen in Schmerz und Leid eine Stütze sein sollen, missbrauchten stattdessen die ihnen von der Institution Kirche gegebene Macht. Und die Oberhirten, statt ihrer Pflicht nachzukommen, die Gemeinden im Fall des Falles vor diesen Untergebenen zu schützen, hatten und haben nur eins im Sinn: eine «Befleckung der hochheiligen Kirche selbst zu verhindern. Das Leid der Opfer war und ist ihnen dabei egal, allen Beteuerungen zum Trotz, wie »beschämt« man sei.

Die Taten sind auch keine Fehltritte von Menschen, deren »Fleisch schwach« ist, sondern perfide kalkuliert. Denn, auch das haben die Untersuchungen belegt: Die Täter suchten sich fast immer gezielt Kinder, die in emotional schwieriger Situation waren und wenig familiären Rückhalt hatten - sich also nach Aufmerksamkeit und menschlicher Wärme sehnten.

Noch immer ist da dieses Empfinden der Kleriker, man gehöre zu einem illustren Kreis Auserwählter. Deshalb steht das Wohl der »Brüder im Nebel«, wie der verstorbene Kardinal Meisner die Täter im Talar so mitfühlend nannte, immer an erster Stelle.

Das zeigt sich nun auch darin, dass sogar der emeritierte Papst Benedikt XVI. des Ermöglichens weiterer Taten eines Sexualverbrechers - und der Lüge darüber - überführt worden ist. Das war lange absehbar, ein Dokumentarfilm belegte Ratzingers Verfehlungen bereits vor mehr als zwei Jahren. Mit dem jüngsten Gutachten ist das System des Vertuschens an sein Ende gekommen. Was nicht bedeutet, dass der Klerus versuchen wird, den alten Stiefel weiter durchzuziehen.

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