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  • Ski-Weltcups vor Olympia

Misstöne bei Olympia-Nominierung

Deutsche Skisportler gewinnen im Weltcup, doch die Richtlinien der Olympiaqualifikation geben Rätsel auf

  • Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

Wenn es in weniger als zwei Wochen bei den Olympischen Winterspielen von Peking erstmals um Medaillen geht, werden die deutschen Sportfans wie üblich zuerst auf die Wettbewerbe im neuen Biathlonstadion und auf den Skisprungschanzen des Kuyangshu Nordic & Biathlon Center in Zhangjiakou schauen. Zieht man die Leistungen des zurückliegenden Wochenendes heran, könnten sie dann durchaus auch Medaillen bejubeln, schließlich gewann allein am Samstag erst Biathlet Benedikt Doll das Massenstartrennen von Antholz, bevor Skisprung-Weltmeister Karl Geiger zu zwei Siegen auf der Naturschanze in Titisee-Neustadt hinuntersegelte.

Alles Friede-Freude-Eierkuchen könnte man meinen, doch die vergangenen Tage waren von Misstönen in beiden Lagern bestimmt gewesen. Der Deutsche Skiverband (DSV) will besonders in Corona-Zeiten nicht auf Einzelathleten setzen. Schließlich wären alle Hoffnungen auf Medaillen bei einem positiven Test kurz vor oder nach der Anreise nach China dahin. Also rechnet sich der Verband die größten Chancen in den Team- und Staffelwettbewerben aus. Dazu braucht es auch auf den hinteren Positionen verlässliche Leistungsträger, doch nach einigen Verwirrungen steht nun fest: Sowohl die Skispringer, als auch die Biathletinnen werden nicht mit den Allerbesten zu den Spielen anreisen.

Im Biathlon musste der DSV dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bereits vor dem Weltcup von Antholz seine fünf Olympiateilnehmerinnen melden. Da Franziska Hildebrand, die seit Anfang des Jahres in Oberhof die konstanteste deutsche Läuferin ist, immer wieder knapp die Olympianorm verpasst hatte, durfte der DSV sie nicht melden. »Ich bin nicht glücklich, wie es gelaufen ist, denn seit Wochen ist zu sehen, dass meine Laufzeit immer besser wird«, sagte Hildebrand in Antholz. Bis zuletzt hatte sie geglaubt, die Norm auch in Südtirol noch erfüllen zu dürfen. »Das wurde vom DOSB leider nicht gewährt«, stellte ihr Sportlicher Leiter Bernd Eisenbichler fest. »Wir finden das sehr bedauerlich.«

Stattdessen wurde Anna Weidel nominiert, da sie im November zumindest die halbe Norm erreicht hatte. Mittlerweile ist die Bayerin jedoch völlig außer Form, lag im Einzel von Antholz weit hinter Hildebrand, obwohl diese drei Strafminuten mehr geschossen hatte. Auch in der Staffel am Samstag war Weidel so schwach, dass der Rest des Teams ihren Rückstand nicht mehr aufholen konnte und auf Platz acht einlief.

Ein ähnlicher Fall beschäftigt die Skispringer. Hier erreichte Pius Paschke nach gutem Saisonbeginn seit der Vierschanzentournee nicht mehr die besten 20. Auch in Titisee schied er zweimal schon im ersten Durchgang aus. Trotzdem darf er nach Peking, weil dem DSV erneut hier keine andere Wahl gelassen wurde. Severin Freund hatte bis dahin nur die halbe Norm, und das zweite Springen am Sonntagabend, bei dem es ihm gelungen wäre, durfte nicht mehr in die Bewertung einfließen. Der zweite Alternativkandidat Andreas Wellinger fiel mit positivem Coronatest aus. Er und Freund hatten zuletzt meist vor Paschke gelegen.

Der DOSB macht hier keine gute Figur. Einerseits ist nicht nachvollziehbar, warum die Biathleten schon Anfang der Woche nominiert werden mussten, die Skispringer dann am Samstag, die Eishockeyspieler aber erst nächste Woche. Zum anderen lässt der Dachverband die Nominierung von Skeletonfahrerin Jacqueline Lölling zu, obwohl sie die Norm komplett verpasst hat, verzichtet aber auf Olympiasieger wie Severin Freund. Vermutlich aus Angst vor Regressforderungen übergangener Normerfüller werden formstarke Athleten zu Hause gelassen und dafür Sportler mitgenommen, die dem Team in Peking aller Voraussicht nach nicht helfen können. Lölling hatte Glück, dass keine Teamkollegin vor ihr die Norm erfüllt hatte. Hildebrand und Freund dagegen nicht.

Steigen die Leistungskurven von Weidel und Paschke nicht märchenhaft schnell an, könnte es soweit kommen, dass beide bei Olympia nicht ein einziges Mal eingesetzt werden. Das allerdings setzt voraus, dass die jeweils vier anderen in ihren Teams trotz Omikron-Welle ohne Infektion bis in die Blase nach Peking kommen. Im Fall der Biathletinnen müsste außerdem die einstige Vorläuferin Franziska Preuß nach gut einem Monat ohne richtiges Training wegen Verletzung und positiven Coronatests noch rechtzeitig wieder in Form kommen. Beides erscheint derzeit eher unwahrscheinlich.

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