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Boden als Schlüssel zur Welternährung

Nichtregierungsorganisationen appellieren an internationales Agrarministertreffen, Zugang zu Land fairer zu verteilen

  • Von Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.
Boden ist der Schlüssel zur Welternährung. Doch der Zugang zu Land wird für Bäuerinnen und Bauern immer schwierger.
Boden ist der Schlüssel zur Welternährung. Doch der Zugang zu Land wird für Bäuerinnen und Bauern immer schwierger.

Die weltweite Ernährung ist zu 90 Prozent vom Boden abhängig. Doch immer mehr Ackerland wird von Finanzinvestor*innen aufgekauft und für nachwachsende Rohstoffe oder industrielle Zwecke genutzt. Langfristig soll ein Großteil der weltweit verwendeten fossilen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden. Aber die Fläche ist endlich.

Auch auf dem vom Bundeslandwirtschaftsministerium organisierten Agrarministertreffen im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture heißt das Thema »Nachhaltige Landnutzung: Ernährungssicherung beginnt beim Boden«. Neben dem Zugang wird auch der Zustand der Böden eine Rolle spielen. So soll im geplanten Abschlusspapier die Förderung einer bodenschonenden Landwirtschaft ebenso festgeschrieben werden wie ein verantwortungsvoller Umgang mit der knappen Ressource, »um den Verlust landwirtschaftlicher Flächen und wichtiger Ökosysteme zu verringern«, wie das Agrarministerium vorab verkündete. Und: Die Rechte für den fairen Zugang und die Nutzung von Land sollen weltweit verbessert werden. In dieser Woche wird das Abschlusspapier unter den 70 teilnehmenden Ländern verhandelt.

Das weckt Erwartungen. »Wir appellieren an die Agrarministerinnen und Agrarminister, Maßnahmen gegen Verdrängung zu beschließen«, erklärten die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Brot für die Welt sowie die Entwicklungsorganisationen Fian und Inkota. »Immer mehr unserer Kolleginnen und Kollegen verlieren das Land, von dem sie leben und auf dem sie arbeiten, um Nahrungsmittel für alle anzubauen«, sagte Reiko Wöllert, stellvertretender Bundesvorsitzender der AbL.

Auch in Deutschland würde eine wachsende Zahl bäuerlicher Betriebe verdrängt. »Die Preise für Ackerland sind in den letzten 15 Jahren um 193 Prozent gestiegen. Große Versicherungskonzerne und Lebensmittel-Discounter wie Aldi besitzen Tausende Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche«, sagt Wöllert. Demnach haben zwischen 2007 und 2016 rund zwei Prozent der deutschen Acker- und Grünlandflächen in Form von Anteilskäufen, sogenannten Share Deals, den Eigentümer gewechselt. »Dafür wurde noch nicht einmal Grunderwerbssteuer fällig.«

Auch in anderen Ländern ist der Trend zum Landgrabbing ungebrochen. Investor*innen hätten in den vergangenen Jahren Hunderttausende Hektar Land gekauft, kritisiert Lena Bassermann vom entwicklungspolitischen Inkota-Netzwerk. »Land, das jetzt Konzerne und nicht mehr Bäuerinnen und Bauern bewirtschaften. Land, auf dem häufig keine Lebensmittel mehr angebaut werden, sondern Energiepflanzen für Industrie und Verkehr, obwohl viele Menschen noch immer hungern.«

Ansatzpunkt für politisches Handeln könnten die Leitlinien des Welternährungsausschusses der UN-Organisation FAO sein. Diese wurden bereits 2012 als Grundlage für eine menschenrechtskonforme Landpolitik beschlossen. Damit liege eine völkerrechtliche Grundlage vor, sagt Roman Herre von Fian. »Die Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft sollte im Abschlusskommuniqué verankert werden. Wir benötigen dringend einen Schub für die Umsetzung dieser Leitlinien in Deutschland und weltweit, ansonsten droht eine Landwirtschaft ohne Bäuerinnen und Bauern.«

Zudem haben die Vereinten Nationen 2018 eine Bauernrechtserklärung (UNDROP) verabschiedet. Darin wird der Beitrag von Landwirt*innen zur Ernährungssicherheit anerkannt und angemahnt, »wie wichtig es ist, den Zugang zu Produktivressourcen und Investitionen in eine angemessene ländliche Entwicklung zu verbessern«.

»Weltweit warten Bäuerinnen und Bauern ungeduldig, dass endlich ein globaler Prozess gestartet wird, der diese Erklärung umsetzt. Dazu wünschen wir uns ein Signal der Agrarministerkonferenz«, erklärt Stig Tanzmann von Brot für die Welt.

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