Streit um Ölkatastrophe an Perus Küste

Während die Aufräumarbeiten laufen, steht der spanische Konzern Repsol in Erklärungsnot

  • Von Steffen Heinzelmann, La Paz
  • Lesedauer: 4 Min.
Ein Wasservogel flüchtet aus dem Meer nach einem Ölunfall in der Raffinerie La Pampilla, des spanischen Konzerns Repsol.
Ein Wasservogel flüchtet aus dem Meer nach einem Ölunfall in der Raffinerie La Pampilla, des spanischen Konzerns Repsol.

Wer den Grund für die Ölkatastrophe an der Küste Perus sucht, dem wurden in den vergangenen Tagen zwei gegensätzliche Erklärungen präsentiert: Ursache seien hohe Wellen durch den Vulkanausbruch vor Tonga einige Stunden zuvor gewesen, ließ der spanische Erdölkonzern Repsol kundtun. Nein, Schuld habe Repsol selbst, dort seien Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt und der Vorfall mit falschen Informationen heruntergespielt worden, entgegneten dem Mitglieder der peruanischen Regierung und Umweltschützer*innen.

Klar ist bisher: Am Nachmittag des 15. Januar hatte der italienische Tanker »Mare Dorium« an der von Repsol betriebenen Raffinerie La Pampilla Erdöl entladen. Dabei liefen fast 12 000 Barrel Rohöl (1 Barrel = 159 Liter) in den Pazifik aus und werden jetzt an die Küste nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima geschwemmt.

Nach Angaben des peruanischen Umweltministers Rubén Ramírez sind bislang 180 Hektar Strand und 713 Hektar Meer von dem ausgelaufenen Öl verschmutzt; der Ölteppich wird von der Strömung nach Norden getrieben. Mehr als 21 Strände und zwei Naturschutzgebiete, die Zona Reservada de Ancón und die Islotes de Pescadores, sind betroffen. Das Öl vergiftet Fische und Vögel, Hunderte Fischer*innen können nicht mehr aufs Meer hinaus und sind ohne Einkommen. Allein die Säuberung von 50 Kilometern Küste könnte Expert*innen zufolge mehr als zwei Jahre dauern, die Ökosysteme im Wasser und an Land sind auf Jahre geschädigt.

Bei Repsol waschen sich die Zuständigen die Hände in Unschuld. »Wir haben die Umweltkatastrophe nicht verursacht, und ich kann nicht sagen, wer dafür verantwortlich ist«, lehnte Tine Van Den Wall Bake, Pressesprecherin von Repsol Peru, drei Tage nach dem Vorfall jegliche Verantwortung ab. Auslöser sei erhöhter Wellengang nach dem Ausbruch des mehr als 10 000 Kilometer entfernten Unterwasservulkans vor Tonga gewesen. Und da es von der Marine Perus keine Tsunami-Warnung gab, sei in der Raffinerie eben mit dem Entladen des Tankers fortgefahren worden.

Diese Erklärung ist mindestens zweifelhaft. Das für den Tanker zuständige Unternehmen Fratelli D’Amico betonte, die Ursache des Öllecks sei ein Riss in der Unterwasserleitung der Raffinerie gewesen. Und auch der Kapitän der »Mare Dorium« widersprach der Version Repsols vom hohen Wellengang in einem Protestbrief an den Ölkonzern und in einem Treffen mit drei Ministern Perus.

Die peruanische Regierung und Umweltschützer*innen werfen der Geschäftsführung von La Pampilla und Respol vor, das Ausmaß des Öllecks verheimlicht und so mögliche Hilfsmaßnahmen verhindert zu haben. »Der erste Bericht von Repsol war völlig unzutreffend. Sie meldeten, dass 0,6 Barrel Öl ausgelaufen seien. Und sie sagten, dass nur 2,50 Quadratmeter des Meeres betroffen seien, während es am nächsten Tag Kilometer waren«, beklagte die peruanische Ministerpräsidentin Mirtha Vásquez.

Inzwischen hat der Geschäftsführer von Repsol Peru, Jaime Fernández-Cuesta, immerhin zugegeben, dem Unternehmen sei ein »Wahrnehmungsfehler« bezüglich des Ausmaßes der Ölpest unterlaufen. Die schrecklichen Folgen davon zeigen sich an der Küste nördlich von Lima: Der Ölteppich verklebt Strände und tötet Tiere wie Kormorane und Humboldt-Pinguine, in den beiden Naturschutzgebieten leben Pelzrobben und Seeotter. In der Hauptstadt Lima und vor der Raffinerie protestierten Umweltschützer*innen - sie fordern eine rasche Säuberung und eine finanzielle Entschädigung seitens Repsol.

Die peruanische Regierung hat einen 90-tägigen Umweltnotstand für das betroffene Küstengebiet ausgerufen, den Tanker festsetzen lassen und Repsol zu Beseitigung des Ölteppichs verpflichtet. Gegen Jaime Fernández-Cuesta und drei weitere Repsol-Manager wurde ein Ausreiseverbot für 18 Monate verhängt. Präsident Pedro Castillo versprach: »Keiner kann sich vor seiner Verantwortung drücken, es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Und in diesem Fall erwarten wir, dass das Unternehmen, das diese Umweltkatastrophe verursacht hat, Verantwortung übernimmt.« Der Ölkonzern teilte mit, dass bereits mehr als 2000 Personen an der Reinigung des Meeres und der Küste arbeiten, allerdings speist Repsol Berichten zufolge Helfer*innen dafür mit einem Hungerlohn ab, häufig die betroffenen Fischer*innen selbst.

Für die peruanische Menschenrechtsorganisation Instituto de Defensa Legal (IDL) ist klar: Die Raffinerie La Pampilla und Repsol müssen die Verantwortung für das Umweltverbrechen übernehmen. IDL fordert allerdings auch, den Ölverschmutzungen in anderen Teilen Perus die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken: Im peruanischen Amazonasgebiet beispielsweise habe es in den letzten 20 Jahren mehr als 200 Öllecks gegeben.

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