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  • Frauenfußball: Bundesliga-Saisonreport

Die Fußballerinnen kämpfen gegen den Trend

Wie die Bundesliga den Rückstand zur internationalen Konkurrenz aufholen will

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 7 Min.
Jovana Damnjanovic (l.) und der FC Bayern schieden in der Champions League gegen Paris aus, spielten aber erstmals in der großen Münchner Arena.
Jovana Damnjanovic (l.) und der FC Bayern schieden in der Champions League gegen Paris aus, spielten aber erstmals in der großen Münchner Arena.

Die Wochen der gro­ßen Ent­schei­dun­gen im Fuß­ball sind auch bei den Frau­en in vol­lem Gan­ge. Um den Titel, inter­na­tio­na­le Start­plät­ze und den Abstieg geht es an die­sem Wochen­en­de in der Bun­des­li­ga. Mit einem Sieg am vor­letz­ten Spiel­tag beim Tabel­len­letz­ten FC Carl Zeiss Jena könn­te der VfL Wolfs­burg die Titel­ver­tei­di­ge­rin­nen vom FC Bay­ern Mün­chen ent­thro­nen. Im Kampf um die Cham­pions League wür­de Tur­bi­ne Pots­dam am Sonn­abend ein Remis rei­chen, um die direk­ten Kon­kur­ren­tin­nen von Ein­tracht Frank­furt in siche­rer Distanz auf Platz vier zu hal­ten. Und soll­ten die Fuß­bal­le­rin­nen des SC Sand nicht gegen den 1. FC Köln gewin­nen, dann müs­sen sie zusam­men mit Jena den Gang in die 2. Bun­des­li­ga antreten.

Kurz vor dem Sai­son­fi­na­le, am Don­ners­tag, stell­te der Deut­sche Fuß­ball-Bund (DFB) in einer digi­ta­len Medi­en­run­de den Sai­son­re­port zur ver­gan­ge­nen Spiel­zeit 2020/2021 vor. Als gro­ßes und medi­al weit­ver­brei­te­tes Schlag­wort blieb von die­ser ein­stün­di­gen Ver­an­stal­tung übrig: »Rekord­um­satz«. Rund 15 Mil­lio­nen Euro haben die 12 Klubs erwirt­schaf­tet und damit knapp zwei Mil­lio­nen mehr als im Spiel­jahr davor. Der DFB hob zudem eine »Stei­ge­rung der media­len Sicht­bar­keit« her­vor. »In den Berei­chen ›Online‹ und ›Print‹ wur­de ein Zuwachs der Reich­wei­ten von rund 15 Pro­zent verzeichnet.«

Wer neben die­sen Erfolgs­mel­dun­gen am Don­ners­tag noch Sieg­fried Diet­rich spre­chen hör­te, der hät­te sich leich­ter­dings ein rosi­ges Bild der Zukunft malen kön­nen. Noch ein, zwei Jah­re – »dann haben wir ein Voll­pro­fi­tum in der Bun­des­li­ga«, sag­te der Vor­sit­zen­de des DFB-Aus­schus­ses Frau­en-Bun­des­li­gen, der zugleich die Frau­en­ab­tei­lung bei Ein­tracht Frank­furt lei­tet. »Jetzt wird es effek­tiv zu einem Auf­bruch kommen.«

Der schon oft ver­kün­de­te Auf­bruch soll laut Diet­rich jetzt dahin füh­ren, »in abseh­ba­rer Zeit mit dem Frau­en­fuß­ball Geld zu ver­die­nen«. Dass dies noch Wunsch­den­ken ist, bele­gen ande­re Zah­len des Sai­son­re­ports: Die Aus­ga­ben aller Bun­des­li­ga­ver­ei­ne sind mit rund 30 Mil­lio­nen Euro dop­pelt so hoch wie die Ein­nah­men. Selbst in die­sem Miss­ver­hält­nis sieht Diet­rich eine gute Ent­wick­lung. »Wir befin­den uns in einer Inves­ti­ti­ons­pha­se«, sag­te er und meint damit die vie­len Klubs, die unter dem Dach eines Lizenz­ver­eins der Män­ner wach­sen sol­len. Die­se neun Bun­des­li­gis­ten sind mit einem durch­schnitt­li­chen Ver­lust von 1,2 Mil­lio­nen Euro für das nega­ti­ve Gesamt­ergeb­nis ver­ant­wort­lich. Die drei rei­nen Frau­en­ver­ei­ne Tur­bi­ne Pots­dam, SGS Essen und SC Sand erwirt­schaf­te­ten hin­ge­gen einen, wenn auch sehr klei­nen finan­zi­el­len Gewinn.

Die­sen Sai­son­re­port, erst der zwei­te, der ver­öf­fent­licht wur­de, lob­te DFB-Vize­prä­si­den­tin Sabi­ne Mammitzsch am Don­ners­tag als Zei­chen der »Trans­pa­renz«. Dass aller­dings nur die Kenn­zah­len der Bun­des­li­ga ins­ge­samt öffent­lich sind und nicht die Finan­zen der ein­zel­nen Ver­ei­ne, macht eine wirk­li­che Ein­schät­zung der Lage kom­pli­ziert. So lässt sich das nach­weis­lich gestie­ge­ne Inter­es­se von Spon­so­ren nicht nach­voll­zie­hen. Sind es am Ende nur der FC Bay­ern, Ein­tracht Frank­furt und der VfL Wolfs­burg, die von den Geld­ge­bern ihrer Män­ner-Bun­des­li­gis­ten pro­fi­tie­ren? Auch die Freu­de über eine grö­ße­re media­le Reich­wei­te und damit gestie­ge­nes Inter­es­se am Fuß­ball der Frau­en kann nur ein­ge­schränkt geteilt wer­den. Denn der DFB trägt mit 1,2 Mil­lio­nen Euro die Hälf­te der Pro­duk­ti­ons­kos­ten des Pay-TV-Part­ners Magen­ta Sport. Kon­kre­te Zuschau­er­zah­len gibt der Sen­der nicht bekannt.

Als Mammitzsch erwähn­te, dass in Sachen Sai­son­re­port ande­re Län­der auf den DFB als Vor­bild schau­en wür­den, sag­te sie auch: »Zumin­dest da sind wir wie­der an füh­ren­der Stel­le.« Die­ser Satz beschreibt die Ent­wick­lung des Fuß­balls der Frau­en in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Es ist ein sport­li­cher und wirt­schaft­li­cher Kampf gegen den Trend. Vor allem Eng­land und Spa­ni­en, aber auch Frank­reich sind ent­eilt – mit ihren Ligen und Ver­ei­nen sowie den Natio­nal­teams. Das zei­gen die sport­li­chen Ergeb­nis­se, aber auch Inter­es­se und Akzep­tanz. Mehr als 90 000 Zuschau­er wol­len die Fuß­bal­le­rin­nen des FC Bar­ce­lo­na sehen. Und wäh­rend die Bun­des­li­ga seit Jah­ren im Schnitt weni­ger als 1000 Zuschau­er pro Spiel hat, kom­men in Eng­land durch­schnitt­lich fast vier­mal so vie­le in die Stadien.

Nun ist hier­zu­lan­de kei­nes­wegs alles schlecht. Die Bun­des­li­ga war in die­ser Sai­son die ein­zi­ge Liga mit drei Ver­ei­nen in der Grup­pen­pha­se der Cham­pions League. Die Titel aber gewin­nen ande­re. Was hilft? »Mehr Geld«, sagt Sieg­fried Diet­rich. Das erhofft er sich von dem neu­en Fern­seh­ver­trag ab der Sai­son 2023/2024. Und von den Ver­ei­nen, die wei­ter inves­tie­ren sol­len. Den Anstieg der Per­so­nal­kos­ten auf durch­schnitt­lich fast 1,4 Mil­lio­nen Euro sieht er trotz der ent­stan­de­nen Ver­lus­te als Zei­chen der not­wen­di­gen Pro­fes­sio­na­li­sie­rung. Damit soll der Trend, dass die bes­ten Spie­le­rin­nen die Bun­des­li­ga ver­las­sen, gestoppt wer­den. Mehr Sicht­bar­keit ver­spricht Diet­rich schon in der kom­men­den Sai­son: »Lasst euch über­ra­schen!« Wich­tig sei­en High­light-Spie­le wie jüngst bei den erst­ma­li­gen Auf­trit­ten der Fuß­bal­le­rin­nen aus Mün­chen und Wolfs­burg in den gro­ßen Are­nen ihrer Män­ner­teams. Davon soll es schon bald mehr geben, in der Bun­des­li­ga, »in vier, fünf, sechs gro­ßen Sta­di­en. So kön­nen wir wie­der Vor­rei­ter wer­den«, meint der selbst ernann­te Berufs­op­ti­mist Dietrich.

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