Arbeitskämpfe lohnen sich

Ulrike Henning über die Wirkung der Entlastungstarifverträge

Beschäftigte der Berliner Krankenhäuser Charite und Vivantes fordern mehr Personal.
Beschäftigte der Berliner Krankenhäuser Charite und Vivantes fordern mehr Personal.

Nach und nach kommt das Gesundheitsministerium auch bei jenen Themen in Gang, die sich jenseits von Corona in Sachen Gesundheitsversorgung auftürmen. Eines der dringendsten dürfte die Überwindung der Personalnot in der Pflege sein. Minister Karl Lauterbach (SPD) weckte nun in der vergangenen Woche einige Hoffnungen: Er hat kraft seines Amtes neue Vorgaben für das Pflegepersonal an den Kliniken angekündigt. Möglicherweise, so der Minister, könnte man sich da an den jüngsten Tarifverträgen orientieren. Die explizit genannten Entlastungstarifverträge seien »der richtige Weg«, O‑Ton Lauterbach. Damit ist die Latte recht hoch gehängt, auch wenn diverse Konjunktive hier nicht übersehen werden sollten.

Die Pflegekräfte bundesweit dürfen den Vorkämpfern an der Charité und bei Vivantes in Berlin noch einmal extra dankbar sein für den Einsatz, mit dem dort solche Verträge erkämpft wurden. Darum gerungen wird auch in Nordrhein-Westfalen. In der Konsequenz müssen weitere Pflegerinnen und Pfleger eingestellt werden. Sonst könnten Betten am Ende nicht mehr belegt oder müssten gar Abteilungen geschlossen werden. Die von Lauterbach gewünschte Lohnspirale nach oben könnte sich in der Pflege weiter drehen oder, je nach Einschätzung, erst einmal in Gang kommen. Der Bereich als »Seele des Gesundheitssystems« (wieder O‑Ton Lauterbach) erhielte endlich die notwendige Wertschätzung.

Etliche Wermutstropfen bei dem anlässlich des Tages der Pflege recht vollmundig vorgestellten Vorhaben gibt es jedoch. Funktionieren kann das alles nur, wenn die Finanzierung des größeren Personalaufwandes auch langfristig gesichert wird. Und, wenn die neuen Bedingungen so gut sind, dass ehemalige Pflegekräfte zurückkehren und sich mehr junge Menschen hier ausbilden lassen.

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