Ankaras dreistes Nato-Manöver

Peter Steiniger zu Erdogans Begrüßungsgeschenk für Schweden

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 1 Min.
In Washington begrüßte US-Präsident Joe Biden Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und Sauli Niinisto (l.), Präsident von Finnland, als Nato-Aspiranten. Mit Ankara wird man sich einigen.
In Washington begrüßte US-Präsident Joe Biden Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und Sauli Niinisto (l.), Präsident von Finnland, als Nato-Aspiranten. Mit Ankara wird man sich einigen.

Das geht ja gleich gut los mit Schwedens nach 200 Jahren eilig entsorgter militärischer Allianzfreiheit. Die Formalie Nato-Antrag ist noch nicht trocken, da fährt Ankara mit Stockholm Schlitten. Großosmane Erdogan droht damit, Schwedens Beitritt zum Klub der wehrhaften Demokratien zu blockieren. Das Land, ebenso Mitbewerber Finnland, soll zuerst den kurdischen Organisationen PKK und YPG den Terrorstempel aufdrücken. Viele in der Türkei verfolgte Oppositionelle haben in Skandinavien Zuflucht gefunden. Vom Nato-Partner in spe fordert Ankara die Auslieferung Dutzender Personen an seine Folterknechte sowie die Aufhebung von Waffenexportbeschränkungen, die wegen des türkischen Einmarschs in Nordsyrien verhängt wurden. Denn so etwas gehört sich unter Freunden nicht.

Natürlich weiß Erdogan, wer im Nato-Klub am Tischende sitzt und dass in Washington die Plätze für Schweden und Finnland fest gebucht sind. Er versteht sich aber auch darauf, erfolgreich Druckmittel einzusetzen. Wie beim Thema Flüchtlinge wird Erdogan einen Preis einstreichen. Mit den USA wird bereits gefeilscht, auch Stockholm ist in der Bringpflicht. Berlin kann da sicher Tipps geben.

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