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  • Steigende Lebensmittelpreise

Die Inflations-Schutzanlage

Über Tipps und Tricks, wie Menschen den »Inflations-Hammer abwehren« können

Gerade Konsumgüterhersteller können oft höhere Preise durchsetzen. Davon sollen die Menschen profitieren können? Foto: Pixabay
Gerade Konsumgüterhersteller können oft höhere Preise durchsetzen. Davon sollen die Menschen profitieren können? Foto: Pixabay

Lebensmittel sind hierzulande mittlerweile fast neun Prozent teurer als vor einem Jahr, gerade in ärmeren EU-Ländern sind die Preise noch viel stärker gestiegen, meldete diese Woche das Statistische Bundesamt. Auch in Großbritannien ist von einer Cost-of-Living-Crisis die Rede, weil dort ebenfalls die Preise für Güter des täglichen Bedarfs nach oben schießen. Die Politik hat in Deutschland reagiert und ein Entlastungspaket vorgelegt, Gewerkschaften fordern nun Nachbesserungen für Rentner und Studierende, und Ökonomen streiten über Preiskontrollen. Mittlerweile liegen auch Tipps und Tricks vor, wie Menschen mittels geschickter Finanzstrategie der Inflation trotzen können.

Hierzulande hat die Inflationsrate im April mit 7,4 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Insbesondere Energie verteuerte sich, Lebensmittel waren 8,6 Prozent teurer als vor einem Jahr. In östlichen EU-Staaten, wo viele Menschen ohnehin wenig Geld haben, ist die Entwicklung noch dramatischer. So sind in Bulgarien Lebensmittel binnen eines Jahres 21 Prozent teurer geworden, in Rumänien fast 15 Prozent. In Litauen, Ungarn, der Slowakei, Lettland und Estland waren es mehr als 14 Prozent. Unter den steigenden Preisen für Güter, die jeder Mensch zum Überleben braucht, leiden auch hierzulande die Ärmsten besonders. Sie sind für Anlageprofis uninteressant. Für diejenigen, die noch Erspartes haben, haben sie hingegen Tipps parat: »Gegen Inflation kannst du etwas tun. Einfach und sicher in Aktien und ETFs investieren zum Beispiel. Willkommen bei Trade Republic!«, twitterte das Berliner Unternehmen, das Geschäfte an der Börse vermittelt und von der »FAZ« vor zwei Jahren als »wahres Märchen aus der Start-up-Welt« klassifiziert wurde.

Focus-Online hilft bei der Auswahl der Wertpapiere. Es gebe eine Gruppe sogenannter inflationsresistenter Aktien. »Das sind die Papiere von Konzernen aus Branchen, bei denen die Menschen höheren Preisen kaum entfliehen können. Energieversorger gehören etwa in diese Gruppe, aber auch die Hersteller von Lebensmitteln und Konsumgütern.« Gerade solchen Firmen, erläutert das »Handelsblatt«, gelinge es, höhere Preise bei Endverbrauchern durchzusetzen. Mit dem Kauf solcher Aktien könnten Menschen den »Inflations-Hammer abwehren«, verspricht Focus-Online.

Wenn das nicht märchenhaft ist: Die Menschen werden ärmer, weil Essen und Energie teurer werden. Das macht aber nichts, weil sie Aktien von den Firmen kaufen können, die von ihnen die höheren Preise verlangen. Fehlt nur noch, dass die FDP nach der Aktienrente die staatlich geförderte Lebensmittel-Aktie für jedermann in der Ampelkoalition durchsetzt. Wenn die Kurse der Inflations-Schutzanlage doch einbrechen, kann man ja sagen: Wenigstens die Preise für Aktien sind gesunken.

Als Alternative zu alldem kämen höhere Löhne und Sozialleistungen infrage. Um innovativ eine Lohn-Preis-Spirale zu vermeiden, ließe sich über eine Preis- und Gewinnbremse nachdenken. Man muss sie ja nicht gleich im Grundgesetz verankern.

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