Republik mit braunen Flecken

Aert van Riel über die letzten NS-Gerichtsprozesse

Irmgard F., früher Sekretärin der SS im KZ Stutthof, vor Gericht in Itzehoe.
Irmgard F., früher Sekretärin der SS im KZ Stutthof, vor Gericht in Itzehoe.

Mit Blick auf die NS-Zeit darf es auch 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keinen Schlussstrich geben. Deswegen ist es berechtigt, dass die Verbrecher von damals weiterhin vor Gericht gestellt werden. Zurzeit wird einer früheren Sekretärin aus dem KZ Stutthof und einem einstigen SS-Wachmann aus dem KZ Sachsenhausen der Prozess gemacht. Viel erwarten kann man von diesen Prozessen selbstverständlich nicht. Wer Teil der einstigen Mord- und Vernichtungsmaschinerie war, der ist oft starrsinnig und will seine Schuld nicht gestehen. Hinzu kommt der schlechte Gesundheitszustand der Angeklagten, der die Verhandlungstage verkürzt. Wenn sie zu einer angemessenen Strafe verurteilt werden sollten, werden sie diese nicht absitzen müssen.

Dennoch sind die Prozesse von einer großen symbolischen Bedeutung für die Opfer. Sie führen der Öffentlichkeit vor Augen, dass frühere Täter lange unbehelligt in der Bundesrepublik leben konnten. Noch schlimmer war, dass nicht wenige nach dem Krieg Karriere machten und ein hohes Ansehen genossen. Wer den deutschen Umgang mit der eigenen Vergangenheit lobt, der ist blind für die braunen Flecken in der Bundesrepublik.

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