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Gefahr ist noch nicht gebannt

Ohne den Regen wäre ein Ort dem Waldbrand zum Opfer gefallen

  • Von Louisa Theresa Braun
  • Lesedauer: 4 Min.
Verbrannte Erde: Viel mehr ist von dem Wald in Frohnsdorf bei Treuenbrietzen nach den Waldbränden nicht übrig geblieben.
Verbrannte Erde: Viel mehr ist von dem Wald in Frohnsdorf bei Treuenbrietzen nach den Waldbränden nicht übrig geblieben.

Mit ohrenbetäubendem Lärm landet am Feuerwehrtechnischen Zentrum bei den Beelitz-Heilstätten, einem ehemaligen Kurort, ein Aufklärungshubschrauber der Polizei. Kai-Uwe Schwinzert, Sprecher des Landkreises Potsdam-Mittelmark, und einige Mitarbeiter*innen der Feuerwehr, die sich an diesem Dienstag in der Kantine mit Panoramafenster im ersten Stock befinden, zücken ihre Smartphones, um den blau-weißen Helikopter zu fotografieren. An dessen Front hängen gut sichtbar zwei riesige Wärmebildkameras, mit denen die Bodentemperatur in den umliegenden Wäldern gemessen wurde. Nach dem Regen am Montag hat sich die Lage in Beelitz, südwestlich von Berlin, wieder beruhigt. Noch am Wochenende brannten hier und im nahe gelegenen Treuenbrietzen insgesamt rund 200 Hektar Wald. Inzwischen sind die großen Feuer gelöscht, Hunderte vorsorglich evakuierte Menschen konnten zurück in ihre Häuser. Doch Entwarnung ist noch lange nicht angesagt.

»Das Wasser dringt nur 20 Zentimeter in den Boden ein, die Hitze viel tiefer. Die Glutnester können bei kräftigen Windstößen wieder aufflammen«, erklärt Kai-Uwe Schwinzert. Deshalb bleiben die Feuerwehren noch bis zu vier Wochen in Alarmbereitschaft. Gerade die Munitionsverdachtflächen um Treuenbrietzen bereiten den Einsatzkräften Bauchschmerzen. Wegen früherer sowjetischer Kasernen und Truppenübungsplätze ist ein riesiges Gelände vermint, sodass Löschfahrzeuge nicht einfach in den Wald hineinfahren konnten. Deshalb waren auch hier Hubschrauber zum Löschen erforderlich.

Michael Knape, Bürgermeister von Treuenbrietzen, glaubt, dass es dabei noch Optimierungsmöglichkeiten gibt. »Wir müssen darüber nachdenken, wie wir noch schneller werden können«, sagt er nach dem Wochenende. Dass die Helikopter nicht sofort zur Stelle waren, liegt laut Kai-Uwe Schwinzert daran, dass sie der Bundeswehr gehören, in der Regel schon in anderen Einsätzen sind und der Landkreis erst Hilfe beantragen muss. »Das könnte schneller gehen«, gibt er zu, »aber im Grunde sind wir zufrieden.« Bei den letzten großen Bränden 2018 habe es viel länger gedauert, bis der erste Hubschrauber kam. Das sei ein »Schreckerlebnis« gewesen, »wo wir merkten: Wir müssen mehr machen«, so Schwinzert.

Seitdem sei jedoch auch einiges passiert, sagen sowohl Schwinzert als auch Knape. Die Wasserversorgung sei verbessert worden, es gebe eine elektronische Waldbranderkennung und man habe größere Feuerwehrfahrzeuge, sogenannte Tatra-Fahrzeuge, deren Löschkanone mit 50 Metern eine doppelt so große Reichweite habe wie herkömmliche Löschfahrzeuge. Außerdem habe das Land Brandenburg dafür gesorgt, dass Waldwege, die 2018 teilweise nicht passierbar waren, inzwischen frei sind. Ansonsten seien nun auch Bergepanzer im Einsatz gewesen, um Schneisen zu schlagen.

Dennoch: »Ohne den Regen und ohne die Bundeswehr hätten wir Frohnsdorf nicht retten können. Das war sehr knapp, da hatten wir Glück«, sagt Schwinzert mit Blick auf die zeitweise »sehr bedrohliche Lage« im Treuenbrietzener Ortsteil Frohnsdorf, der genau wie Klausdorf, Tiefenbrunnen und zwei Straßen in Beelitz evakuiert werden musste. Das Zusammenspiel der über 1500 Einsatzkräfte von freiwilligen und Berufsfeuerwehren aus verschiedenen Landkreisen, von Technischem Hilfswerk, Polizei und Bundeswehr nennt Knape jedoch eine »unglaubliche Leistung«. Es sei alles an technischem Know-how eingebracht worden, die Hilfsbereitschaft vieler Ehrenamtlicher sei enorm gewesen.

Die 14-jährige Schülerin Marie Krüger, die bei den Heilstätten wohnt, hat den Waldbrand aus nächster Nähe mitbekommen. »Der ganze Himmel war rot und grau. Alles war voller Rauch, es war unerträglich«, erzählt sie. Sie habe permanent Sirenen und sogar das Knallen von Patronen auf den Munitionsflächen gehört. In der Nachbarschaft wurde evakuiert. »Ich hatte wirklich Angst, auch evakuiert zu werden, konnte nur sehr unruhig schlafen und habe nur gehofft, dass es regnet«, berichtet sie. Am Montag habe der Regen den Rauch dann endlich vertrieben. Doch Sirenen sind auch am Dienstag noch immer regelmäßig zu hören und zahlreiche Feuerwehrautos in der Stadt unterwegs.

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