Sommerwelle im Urlaub

Zwar sinken momentan die Zahlen der Covid-Infizierten, die Krankenhäuser arbeiten dennoch bereits am Limit

  • Von Kirsten Achtelik
  • Lesedauer: 3 Min.
Drinnen trotz Sommer: Covid ist nicht vorbei
Drinnen trotz Sommer: Covid ist nicht vorbei

Eigentlich hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für den Juli einen Entwurf für die neuen Coronaregeln angekündigt. Diese Woche hieß es, ein Konzept werde »in sehr kurzer Zeit« vorgelegt. Offenbar braucht es noch Absprachen zwischen dem Gesundheitsministerium und dem FDP-geführten Justizministerium. Die derzeit geltenden Corona-Bestimmungen im Infektionsschutzgesetz laufen am 23. September aus. Angewendet werden sie ohnehin kaum: Außer einer Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, medizinischen und pflegerischen Einrichtungen können die Bundesländer zwar weitere Maßnahmen verhängen, die Bedingungen sind jedoch sehr vage formuliert. Anfang September tagt der Bundestag wieder nach seiner Sommerpause.

Statt für mehr Maßnahmen setzt sich aber gerade die FDP für weniger ein: Um die Ausfälle durch Corona-Erkrankte zu bekämpfen, plädierte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, für einen Wegfall der Isolationspflicht. Symptomfreie, aber positiv Getestete sollten arbeiten gehen. Dafür sprachen sich auch mehrere FDP-Politiker aus. Vor einem »Informationschaos« bei der Corona-Isolationsdauer hat dagegen der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, gewarnt. Die bereits auf fünf Tage verkürzte Isolationspflicht solle auf jeden Fall eingehalten werden. So vermeide man weitere Ansteckungen und damit auch Personalausfälle.

Österreich schafft die Isolationsvorschriften für Sars-CoV-2-Infizierte zu Anfang August ab. Statt Quarantäne sollen Infizierte »Verkehrsbeschränkungen« einhalten. Sie dürfen also ihre Wohnungen verlassen, sollen allerdings eine FFP2-Maske tragen. Krankenanstalten, Pflege-, Behinderten- und Kureinrichtungen dürfen sie nicht betreten, infizierte Mitarbeiter*innen können an diesen Orten mit Maske aber weiter ihrem Job nachgehen. Im Freien und bei einem Mindestabstand von zwei Metern entfällt auch die Maskenpflicht. Zugleich appellierte der grüne Gesundheitsminister, dass Erkrankte zu Hause bleiben sollten.

Laut Robert Koch-Institut lag die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland am Freitagmorgen bei 607. Der Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner*innen und Woche sinkt damit leicht im Vergleich zum Vortag (630,4) und zur Vorwoche (729,3). Diese Angaben liefern allerdings kein verlässliches Bild, da nur PCR-Tests in die Statistik eingehen und Bürgertests mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen kostenlos sind. Die momentane Abschwächung könnte an der Ferienzeit liegen. Modellierer gehen davon aus, dass die BA.5-Welle durch Reiserückkehrer*innen und Schulbeginn wieder ansteigt.

Die Belastung in den Kliniken ist deutlich höher als im vorangegangenen Sommer: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) beklagte die gestiegene Zahl an Corona-Infizierten unter den Patient*innen und Beschäftigten. Planbare Operationen müssten in zahlreichen Kliniken wieder verschoben werden, teilweise müssten zudem ganze Bereiche abgemeldet werden, die keine neuen Patient*innen mehr aufnehmen könnten, sagte Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch die Intensivstationen sind deutlich voller: Schon jetzt seien »viermal so viele Corona-Fälle auf den Intensivstationen wie zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr«, sagt Neumeyer. Derzeit sind laut Intensivregister der Deutschen interdisziplinären Vereinigung der Intensivmediziner (Divi) 1493 Menschen bundesweit aufgrund ihrer schweren Covid-19-Erkrankung in intensivmedizinischer Behandlung, vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 372.

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