Schuss ins Knie

Rechter US-Moderator Alex Jones wird wegen Lüge zur Kasse gebeten

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 2 Min.
Beim Prozess im US-Bundesstaat Texas musste Verschwörungstheoretiker Alex Jones Rede und Antwort stehen.
Beim Prozess im US-Bundesstaat Texas musste Verschwörungstheoretiker Alex Jones Rede und Antwort stehen.

Der Extremismus hat goldenen Boden: Alex Jones bedient die rechte Blase, stützt ihre Weltbilder, und das hat sich für ihn lange bezahlt gemacht. Die abstrusen Theorien, aus der Luft gegriffenen Behauptungen und verdrehten Wahrheiten des US-Radiomoderators dienen nicht nur ideellen Zwecken, sondern auch dem Kundenfang auf seinen zig Kanälen. Mit dem Online-Vertrieb von DVDs, von Schusswaffen, Kosmetik und blauen Pillen hat er richtig Schotter gemacht. Selbstredend ist Jones ein Fan von Donald Trump und verbreitet dessen Mär über die gestohlene Präsidentschaftswahl. Beim Sturm auf das Kapitol im Januar des vergangenen Jahres war auch Jones an der Front. 2016 hatte Präsidentschaftskandidat Trump den Kämpfer gegen die »Neue Weltordnung« dunkler Mächte ins Boot seiner Kampagne geholt – für diesen ein enormer Karriereschub. Das Geschäft des Influencers in eigener Sache birgt auch gewisse Risiken, denn immer wieder führt es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Um sich schmerzhaften Kosten von Verleumdungsklagen zu entziehen, hat das vom 1974 in Dallas zur Welt gekommenen Zahnarztsohn gegründete Webportal »InfoWars« bereits im April Konkurs angemeldet.

Eine der Storys des Verschwörungsideologen wurde von der Justiz gerade einem gründlichen Faktencheck unterzogen. Jones hatte wiederholt verbreitet, das Massaker im Dezember 2012 an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut sei ein Fake gewesen und mit Schauspielern inszeniert worden, um die segensreiche Waffenlobby zu blamieren. Bei dem Amoklauf waren 20 Schulkinder und sechs Lehrer ermordet worden. Die Eltern eines getöteten Jungen, die dem Hass des rechten Mobs ausgesetzt waren, hatten Jones verklagt. Trotz Dementis verurteilte ihn ein Gericht im texanischen Austin jetzt zur Zahlung von 4,1 Millionen Dollar Schmerzensgeld. Am vergangenen Freitag kamen noch ungelogen 45,2 Millionen als exemplarische Strafe obendrauf.

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