Eine neue Qualität

Die Proteste im Iran erreichen breite Bevölkerungskreise

  • Von Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.
Demonstranten skandieren während eines Protestes in der Innenstadt von Teheran Parolen gegen den Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini. Sie war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen ihres «unislamischen Outfits» festgenommen worden. Nach den tagelangen Massenprotesten im Iran wurde der Zugang zu westlichen Social-Media-Plattformen unterbrochen.
Demonstranten skandieren während eines Protestes in der Innenstadt von Teheran Parolen gegen den Tod der 22-jährigen Iranerin Mahsa Amini. Sie war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen ihres «unislamischen Outfits» festgenommen worden. Nach den tagelangen Massenprotesten im Iran wurde der Zugang zu westlichen Social-Media-Plattformen unterbrochen.

Die Demonstrationen haben sich mittlerweile auf den ganzen Iran ausgeweitet und scheinen breite Unterstützung zu finden. Die Polizei schlägt mit zum Teil brutaler Gewalt zurück. Der Protest hat diesmal eine neue Qualität, da er – ausgehend vom Widerstand der Frauen – mittlerweile auch andere Bevölkerungskreise erreicht hat. Wie tief dies jedoch in die iranische Gesellschaft reicht, lässt sich nur schwer einschätzen. In Videos auf Twitter ist aus vielen Städten der Sprechchor »Tod dem Diktator« zu hören. Die Demonstrierenden wollen den Sturz des Regimes.

Schon in den nächsten Stunden könnte sich die weitere Entwicklung entscheiden: Wie gut sind die Frauen und Männer organisiert, die gegen die Islamische Republik auf die Straße gehen? Die iranische Regierung ist augenscheinlich in der Defensive: Das Internet wurde blockiert, Staatspräsident Ebrahim Raisi fühlte sich genötigt, den Tod Mahsa Aminis vor der UN-Vollversammlung anzusprechen. Aber der Staat wird zurückschlagen, so viel ist sicher, und auf wackligen Füßen steht er nicht. Die Frage ist, ob er im Gegensatz zur Protestwelle von 2019 besonnener reagieren wird. Interne Kritik im Iran selbst lässt darauf hoffen.

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