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  • Schulpolitik in Brandenburg

Deprimierende Leistungen der Schüler

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) stellt »Zwölf-Punkte-Plan für gute Bildung« vor

Auf die jüngste Nachricht vom deprimierenden Leistungsstand der brandenburgischen Grundschüler reagierte das Bildungsministerium, wie es in den vergangenen 30 Jahren auf Hiobsbotschaften immer reagierte: wortreich und mit rasch aus der Schublade gezogenen »Konzepten«.

Auch die Corona-Einschränkungen hätten den Rückfall auf der ganzen Linie bewirkt, »aber Corona nicht allein«, räumte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ein, als sie am Mittwoch ihre Zwölf-Punkte-Gegenstrategie präsentierte. Unter der Überschrift »Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Schulen« sollen so die im rot-schwarz-grünen Koalitionsvertrag verankerten Bildungsziele weiterentwickelt werden. Die nun geringeren Fähigkeiten in Mathematik, Deutsch und anderen Fächern sei »in allen Bereichen« zu beobachten, sagte die Ministerin und sprach von einer »erschreckenden Einheitlichkeit«. Hinzu komme, dass – im Unterschied zu Schülern aus China oder Singapur – deutsche Schüler Defizite in der Anwendung des Erlernten erkennen lassen. »Sie können Gelerntes wiedergeben, lernen unter Umständen nur für den Test.«

Um zu der von ihr angestrebten »guten Schule« zu gelangen, will Ernst die Fortbildung verbessern, auf Qualitätssicherung setzen und die Digitalisierung vorantreiben. Dazu sollen die Rahmenlehrpläne überarbeitet und der Status von Deutsch und Mathematik verbessert werden. Das Lesen müsse mehr geübt werden, auch vor dem Hintergrund, dass es nicht wenige Kinder gebe, denen in der Schule erstmals in ihrem Leben ein Buch begegne. Ernst sprach von einer »datengestützten Schulleitung, Schulaufsicht und Steuerung durch das Ministerium«. Die Finanzierung des Personals an den Schulen werde »noch bedarfsgerechter« erfolgen. Gestärkt werden soll die Eigenverantwortung der Schulen. Das System einer anlassbezogenen und zielgerichteten Schulvisitation werde »neu aufgestellt.« Weil Kinder bei der Einschulung einen Entwicklungsunterschied von bis zu zwei Jahren aufweisen, müsse sich die Kooperation von Grundschule und Kita vertiefen.

Den Eindruck einer ständigen Verschlechterung des Bildungsniveaus in Deutschland wies die Ministerin zurück. Seit dem »Pisa-Schock« – im Europa- und Weltvergleich schnitt das deutsche Bildungswesen vor zwei Jahrzehnten miserabel ab – sei viel passiert. »Wir haben einen riesigen Sprung nach vorn gemacht«, sagte Ernst. Heute verlassen sieben Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, seinerzeit seien es doppelt so viele gewesen. Aus dem internationalen Vergleich zog sich Deutschland allerdings zurück. Die Meinung der zuständigen Kultusministerkonferenz: Das Bewerten der Leistungen deutscher Schüler wolle man doch lieber nicht »der OECD überlassen«.

Die Bildungsministerin bedauerte, dass das Land Berlin sich aus dem bislang gemeinsamen Landesinstitut für Bildung und Medien (Lisum) zurückgezogen habe. Das werde Brandenburg nun allein schultern. Sie selbst würde niedrigere Schülerzahlen je Klasse befürworten, sagte sie. »Wir wollen, dass es unseren Lehrerinnen und Lehrern gut geht.« Doch würden das die zugestandenen Mittel nicht hergeben. Wenn derzeit in Berlin von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für die Reduzierung der Klassenstärke demonstriert werde, dann sei das »absurd«. Außerdem sei wissenschaftlich erwiesen, dass guter Unterricht von der Fähigkeit des Lehrers abhänge und weniger von der Zahl der Schüler, die vor ihm sitzen.

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