Werbung

Heißes 2023

Der heiße Herbst blieb trotz hoher Inflation zwar aus, doch die Ruhe trügt

  • Simon Poelchau
  • Lesedauer: 2 Min.

Trotz einer Inflationsrate von 7,9 Prozent im vergangenen Jahr blieb der viel beschworene heiße Herbst aus. Dies mag auch daran liegen, dass die Bundesregierung nicht gänzlich neoliberal agierte und stattdessen auch linke Forderungen umsetze. Statt einer Gasumlage gibt es jetzt zum Beispiel eine Gaspreisbremse. Auch wenn die Inflation noch zu sozialen Härten führt, trug dies sicherlich dazu bei, die Masse erst mal zu beruhigen. Doch die Ruhe trügt.

Die Preise werden nicht zurückgehen, stattdessen werden sie auch dieses Jahr noch massiv steigen. Das spüren die Menschen bis in die Mittelschicht hinein. Doch werden die kommenden Auseinandersetzungen weniger politischer denn ökonomischer Natur sein. Dieses Jahr wird vor allem in den Betrieben die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ausgehandelt werden. Tarifverhandlungen für elf Millionen Beschäftigte stehen bei den DGB-Gewerkschaften an, also für fast jede*n vierte*n Arbeitnehmer*in. Zudem fallen mit den Verhandlungen für den öffentlichen Dienst und den Einzelhandel die beiden größten Tarifrunden in den Bereich der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Und diese hat bereits klargemacht, dass sie sich nicht so leicht mit den von der Bundesregierung angepriesenen steuerfreien Einmalzahlungen befrieden lassen will. Dies allein schon, weil in ihren Bereichen häufig weitaus weniger verdient wird als in der Industrie und der Druck der Inflation für die Beschäftigten deswegen stärker zu spüren ist.

Hinzu kommt: Entgegen anderer Krisen macht sich die Energiepreiskrise noch nicht wirklich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Stattdessen klagen die Unternehmen über mangelndes Personal. Das stärkt die Position der Beschäftigten. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass 2023 nicht nur klimamäßig ein heißes Jahr wird.

#ndbleibt – Aktiv werden und Aktionspaket bestellen
Egal ob Kneipen, Cafés, Festivals oder andere Versammlungsorte – wir wollen sichtbarer werden und alle erreichen, denen unabhängiger Journalismus mit Haltung wichtig ist. Wir haben ein Aktionspaket mit Stickern, Flyern, Plakaten und Buttons zusammengestellt, mit dem du losziehen kannst um selbst für deine Zeitung aktiv zu werden und sie zu unterstützen.
Zum Aktionspaket

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal