»Die Wunder hören nicht auf«

Drei besondere nd-Leserreisen: Auf den Spuren berühmter Entdecker, nach Vietnam und eine Inseltour nach Poel

  • Heidi Diehl
  • Lesedauer: 10 Min.
Die Halong-Bucht gehört zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Vietnam.
Die Halong-Bucht gehört zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Vietnam.

Warum nicht einmal im Leben zu einer Weltreise aufbrechen? Ich lade Sie herzlich dazu ein. Kommen Sie vom 23. bis 26. Mai 2023 mit auf eine Abenteuerreise der besonderen Art, lassen Sie sich von Weltentdeckern begleiten und erzählen, was diese erlebten. Dabei müssen Sie nicht einmal unbequeme Flüge oder wochenlange Schiffsreisen ertragen. Lassen Sie uns eine Zeitreise ins 18. und 19. Jahrhundert unternehmen, packen Sie reichlich Fantasie und Entdeckungslust ein und lassen Sie sich von Georg Forster, Alexander von Humboldt, Amalie Dietrich, Adelbert von Chamisso und Hermann von Pückler-Muskau erzählen, welche Abenteuer sie in aller Welt erlebten und wie sie es schafften, ein wenig davon mit nach Hause zu nehmen. Sie hören Originalberichte der Reisenden und erleben Natur- und Kulturlandschaften, die sie inspirierten. Wir machen Halt im Gartenreich Dessau-Wörlitz, der Kulturstadt Leipzig, in den Schlössern und Parks Bad Muskau und Branitz sowie im Oderbruch. Wo auch immer wir hinkommen, werden wir verstehen, was Alexander von Humboldt meinte, als er im tropischen Amerika seufzte: »Die Wunder hören nicht auf.«

Kirchdorf auf der Insel Poel aus der Vogelperspektive
Kirchdorf auf der Insel Poel aus der Vogelperspektive

Am ersten Tag begleiten wir Georg Forster in die Südsee, in die er vor mehr als 250 Jahren mit dem Weltenbummler James Cook reiste. Von dort brachte er viele wertvolle Objekte mit, die heute im Gartenreich Dessau-Wörlitz zu bewundern sind. Jahrzehntelang waren sie aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden, erst seit 2019 sind sie als Teil einer Dauerausstellung zu Georg Forsters Leben zu besichtigen. Kein Deutscher vor ihm hatte mehr von der Welt gesehen: Forster und sein Vater legten an der Seite von James Cook 40 000 Seemeilen zurück, besuchten über 50 Inseln und lernten ein Dutzend ozeanischer Kulturen kennen – die Forster, anders als viele andere europäische Reisende und Eroberer, mit Sympathie und Respekt beschrieb. Mehr als 600 bis dahin unbekannte Tier- und Pflanzenarten haben Vater und Sohn entdeckt, gezeichnet und beschrieben.

In der Seepyramide im Branitzer Park fand Fürst Pückler seine letzte Ruhe.
In der Seepyramide im Branitzer Park fand Fürst Pückler seine letzte Ruhe.

Die Wörlitzer Parkanlage, die seit dem Jahr 2000 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, gilt als der erste englische Landschaftsgarten auf dem europäischen Festland. Fürst Franz von Anhalt-Dessau ließ den weitläufigen Park so anlegen, dass man in ihm quasi eine Weltreise unternehmen kann. Um den vierarmigen Wörlitzer See ordnen sich fünf Gartenteile, die, durch Seen und Kanäle getrennt, mittels Brücken, Fähren, Wegen und Sichtbeziehungen zu einem Gesamtkunstwerk vereint werden. Bummeln Sie durch diese Welt und erleben Sie das Ensemble vom Wasser aus bei einer romantischen Gondelfahrt.

Noch am selben Tag reisen Sie weiter ins »Klein Paris« nach Leipzig, wo Sie sich einen ersten Überblick bei einem Stadtbummel verschaffen und bei einem gemütlichen Abendessen den Tag ausklingen lassen. Am nächsten Morgen erwartet Sie bereits Alexander von Humboldt und nimmt Sie mit in die Wildnis mitten in der Stadt – den Leipziger Zoo. Er ist einer der renommiertesten, modernsten und schönsten zoologischen Gärten der Welt und vereint artgerechte Tierhaltung, Artenschutz, Bildung und spannende Entdeckertouren. Im Gondwanaland, einer faszinierenden Erlebniswelt, so groß wie zwei Fußballfelder, spüren Sie den tropischen Regenwald Afrikas, Asiens und Südamerikas mitten in Deutschland. Entdecken Sie fast 90 Tier- und rund 500 Pflanzenarten auf Dschungelpfaden, über Hängebrücken oder per Bootsfahrt auf dem Urwaldfluss Gamanil.

Wieder an Land machen wir uns auf den Weg nach Australien mit einer Zwischenstation in Siebenlehn und lassen uns von der dort geborenen Forscherin Amalie Dietrich von ihren Entdeckungsreisen nach Down Under erzählen. Für viele von uns wird sich da wohl eine Bildungslücke schließen, denn anders als Forster oder Humboldt ist die mutige Frau längst nicht so bekannt.

Das kann man von dem nächsten Weltenbummler ganz und gar nicht sagen, von ihm hat wohl jeder schon so manches gehört: Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Er machte sich nicht nur als Schriftsteller, Lebemann und Reisender einen Namen, sondern wurde vor allem als Landschaftsgärtner berühmt. Der Muskauer Park, den Sie ebenso besuchen werden, wie die Ausstellung »Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!« im Schloss des Parks, ist eine fantastische Visitenkarte des Begründers der modernen Landschaftsgestaltung. Mit seinem Freund Alexander von Humboldt unternahm der »grüne Fürst« ausgedehnte Reisen nach Ägypten, in den Sudan und nach Konstantinopel. Seine Abenteuer bieten endlosen Stoff für Legenden und Anekdoten, die der Fürst allzu gern auch selbst verbreitete. Lassen Sie sich bei einem Bummel durch den Park überraschen, und genießen Sie den Abend an »Pücklers Tafel«, wo sie mit kurzweiligen Geschichten aus seinem Leben unterhalten werden.

Der Fürst wird uns auch am letzten Tag unserer Weltreise begleiten und uns sein Alterswerk in Branitz bei Cottbus zeigen, von dem er sagte, es sei sein Meisterwerk, eine Oase, die er aus einer Sandwüste schuf. Wer heute durch den wunderschönen Landschaftspark bummelt, kann sich selbst mit viel Fantasie kaum vorstellen, dass dort einst nichts als flaches Ackerland war. Pückler indes sah den fertigen weitläufigen Park mit seinen heute berühmten Pyramiden von Anfang an vor seinem geistigen Auge. Alles ist so geworden, wie er es sich vorgestellt hat. Bevor wir uns von ihm verabschieden, schauen wir noch einmal in seinem Zuhause, dem Schloss, vorbei. Dort werden Sie garantiert das Gefühl nicht los, dass der Hausherr gerade mal im anderen Zimmer sei und gleich zurückkomme. Alles ist noch heute so, wie er es einrichten ließ. In den Orient-Räumen befindet sich auch das einzige Porträt der legendären Machbuba, der jungen Äthiopierin, die Pückler auf dem Kairoer Sklavenmarkt kaufte und nach Deutschland mitbrachte, wo sie bald verstarb.

Auch wenn wir nach dem Mittagsimbiss Pücklers Oase verlassen, nach Hause fahren wir noch nicht. Einen Entdecker wollen wir noch besuchen – Adelbert von Chamisso im Kunersdorfer Musenhof. Er war Weltreisender, Dichter und Botaniker. Sein Weg führte ihn auch ins Oderbruch, wo er als Gast auf dem Kunersdorfer Schloss weilte und dort seine berühmte Märchenerzählung »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« schrieb, über einen jungen Mann, der seinen Schatten an den Teufel verkauft und mit Siebenmeilenstiefeln die Welt durchläuft. 2019 ist in Kunersdorf die weltweit erste Ausstellung über den Universalgelehrten eröffnet worden, die zeigt, wie vielseitig Chamisso war. »Ich bin nach Weisheit weit umhergefahren«, schrieb der Naturforscher, der von 1815 bis 1818 an einer Expedition nach Alaska und Hawaii teilnahm.

So weit haben wir es dann doch nicht mehr an unser Ziel. Noch rund 70 Kilometer sind es nach Berlin – dem Ausgangspunkt und Ziel unserer Abenteuertour durch die Welt.

Für die nächste Reise heißt es dann doch: Bitte einsteigen ins Flugzeug. Es bringt Sie am 8. Mai 2023 nach Vietnam, begleitet werden Sie von Thomas Billhardt, dem bekannten Fotografen und Kenner des Landes. Er war im Vietnamkrieg als Dokumentarist mit der Kamera dabei und hielt mit seinen Bildern der Welt schonungslos die Grauen des Krieges vor Augen. Seitdem lassen ihn das Land und seine Menschen nicht mehr los, zahlreiche berührende Bücher sind erschienen. Er wird Ihnen auf der zwölftägigen Reise viele Orte zeigen, die er als Kriegsberichterstatter und auch später fotografierte, wird Sie mit Menschen bekannt machen, die er seit Jahrzehnten kennt und die sein Leben begleitet haben.

Sie werden in Hanoi das Ho-Chi-Minh-Mausoleum besuchen, den »Literaturtempel«, die erste und älteste Universität des Landes sehen, rund um den Hoan-Kiem-See und durch die faszinierende Altstadt von Hanoi radeln. Dabei tauchen Sie tief in das typische Hanoi und die vietnamesische Kultur ein.

Ein Ausflug führt Sie in ein Teeanbaugebiet. Dort unternehmen Sie einen Spaziergang zu den Teeplantagen und durch die umliegenden Dörfer. Hier können Sie die Teeblatternte beobachten, erfahren alles über den Teeanbau und dessen Weiterverarbeitung und besuchen das Teemuseum mit vielen Informationen zur Teegeschichte.

Am fünften Tag fahren Sie mit dem Bus in die Halong-Bucht, wo Sie Quartier auf einem Schiff nehmen, um in Richtung Bai Tu Long-Bucht zu reisen. Unterwegs legen Sie einen Stopp zum Schwimmen ein und können eine geheimnisvolle Höhle besichtigen. Nach so viel Neuem genießen Sie die Nacht auf dem Schiff und lassen sich von den Wellen in den Schlaf schaukeln. Es lohnt sich, am nächsten Morgen früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang und die atemberaubende Schönheit der Landschaft in der Bucht zu genießen, bevor Sie nach dem Frühstück mit kleinen Booten die Bucht erkunden.

Die Reise führt Sie auch in die alte Kaiserstadt Hue. Dort steht eine Bootsfahrt auf dem »Parfüm-Fluss« auf dem Programm. Genießen Sie die schöne Natur und das viele Grün am Flussufer. Außerdem werden Sie das buddhistische Kloster Thien Mu-Pagode, die Zitadelle und den Königspalast der Nguyen-Könige besichtigen und auf eine Entdeckungstour zu den Kaisergräbern und den Mausoleen der Nguyen-Dynastie gehen. Zwei der insgesamt sechs Gräber geben einen Einblick in die Kultur und Architektur und auch den Totenkult der vietnamesischen Kaiser. Die Harmonie von Landschaft und Baukunst ist spektakulär.

Ausgeruht reisen Sie am nächsten Tag nach Hoian. Die einzigartige Route führt Sie zu tollen Fotostopps, bevor Sie am Nachmittag Ihr Hotel in Hoian erreichen. Ein Insider-Tipp: In Hoian haben Sie die Gelegenheit, sich maßgeschneiderte Garderobe zu sehr attraktiven Preisen anfertigen zu lassen. Hoian ist berühmt für die Künste seiner Schneider. Am nächsten Morgen erwarten Sie die örtlichen Guides für eine kurze Fahrradtour in das Gemüsedorf Tra Que. Dort genießen Sie die Schönheit und auch die Einfachheit des vietnamesischen Landlebens, besuchen Bauern, kosten deren Erzeugnisse und schauen sich die Kräutergärten an. Außerdem lernen Sie etwas über den Anbau und die Verarbeitung der Früchte und Kräuter. Wie wäre es anschließend mit einer entspannenden Kräutermassage für die müden Füße? Das Mittagessen kochen Sie an diesem Tag unter Anleitung einer vietnamesischen Familie selbst: Es gibt Hoianer Spezialitäten wie die berühmten TamHuu-Frühlingsrollen oder Banh-Xeo-Pfannkuchen. Am Nachmittag sind Sie zurück in Hoian und spazieren durch die alten Straßen, wo Sie die japanische Brücke, die chinesischen Versammlungshallen und das Sa-Huynh-Museum sowie den lokalen Markt von Hoian besuchen.

Langsam heißt es schon wieder Abschied nehmen von dem faszinierenden Land. Den letzten Tag verbringen Sie noch einmal in Hanoi. Dort besuchen Sie das Militärmuseum, dessen Archiv die Militärgeschichte Vietnams beinhaltet: Räume voller Kriegspropaganda, Fotografien und Dokumente aus Kriegen gegen China, Frankreich und die USA. Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen fliegen Sie zurück nach Berlin.

Die dritte Entdeckerreise ist wohl eher etwas für alle, die es gemütlich angehen lassen wollen. Kommen Sie vom 26. bis 28. April mit ans Meer auf die Insel Poel. Auf dieser Tour gibt es viel mehr als nur Meer zu sehen. Schwerin zum Beispiel. Dort verweilen wir am ersten Tag der Reise und erkunden die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern sowohl vom Land als auch vom Wasser her. Während einer Führung durch die Altstadt können Sie das Theater, den Alten Garten und den Marktplatz mit seinem über alles herausragenden Dom näher kennenlernen. Highlight des Stadtbummels ist das Schweriner Schloss! In romantischer Lage auf einer Insel im Schweriner See gelegen, zählt es zu den bedeutendsten Bauten des Historismus in Europa. Es ist einfach märchenhaft schön! Am frühen Nachmittag haben die Füße Pause. Von Bord eines Schiffes aus genießen Sie die Aussicht und entdecken die vier Seen von Schwerin. Anschließend bringt Sie der Bus zu Ihrem Hotel auf der Insel Poel.

Am zweiten Tag erkunden wir die Insel, eine der größten in Mecklenburg-Vorpommern. Kopfsteinpflaster, Gutshäuser und Bauernhöfe prägen ihre Bilder. Natürlich lassen wir uns unterwegs auch ein typisches Mecklenburger Fischbrötchen schmecken, denn ohne das wäre ein Inselbesuch nur halb perfekt. Danach fahren wir nach Kühlungsborn und entdecken die schönsten Plätze der Stadt.

Wismar steht am dritten Tag auf unserem Besuchsprogramm. Die Unesco-Welterbe- und Hansestadt bietet vielfältige Sehenswürdigkeiten, die das gesamte Altstadtgebiet prägen: Das Wendische Viertel mit den Kirchen St. Marien, St. Georgen und St. Nikolai lädt zum Verweilen ein. Lassen Sie sich in die Zeit der Hanse entführen und von den zahlreichen Backstein-Denkmälern deren Geschichten erzählen. Mit vielen schönen Erlebnissen im Gepäck treffen wir am Abend wieder in Berlin ein.

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