Beratung am Limit

Ulrike Henning über Alarmsignale aus der Schuldnerberatung

Die Schuldnerberatung ist eine der Einrichtungen, die gesellschaftliche Probleme wie ein Seismograf signalisieren kann. Genau das ist jetzt wieder geschehen: Eine Umfrage unter den Beratungsstellen zeigt, dass nicht nur die Zahl der Anfragen zunimmt. Seit Beginn der Pandemie tauchen neue Gruppen zur Beratung auf: Menschen, die eigentlich ein eigenes, wenn auch geringes Einkommen haben. Jetzt, erst recht mit Inflation und Energiepreiskrise, reicht das wenige Geld nicht mehr.

Die Verunsicherung wächst, noch mehr dann, wenn Hilfen gepfändet werden, die der Staat erst gewährte. Staatliche Unterstützungsleistungen für Energie werden nicht alle Inflationskosten auffangen können. Und die Mietnebenkostenabrechnungen stehen noch aus. Ein weiteres Alarmsignal kommt von den Kommunen: Vielerorts dauert es Monate, bis sie Wohngeldanträge bearbeiten können. Im schlechtesten Fall läuft das auf Wohnungsverlust hinaus, ein Damoklesschwert in diesen Zeiten. Den Beratungsstellen wird die Arbeit nicht so schnell ausgehen. Ähnlich wie Tafeln und Kleiderkammern sollten sie in einem funktionierenden Sozialstaat jedoch eher überflüssig gemacht werden.

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