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BraLa in Brandenburg: Buntes Treiben und brutaler Markt

Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung BraLa startet am Donnerstag

  • Matthias Krauß
  • Lesedauer: 3 Min.

Nach dreijähriger Corona-Zwangspause findet die 30. Brandenburgische Landwirtschaftsausstellung (BraLa) in Paaren/Glien (Havelland) nun wieder direkt, live und in Farbe statt. Vom 11. bis 14. Mai wartet die überregional bekannte Fach- und Publikumsmesse mit 450 Ausstellern und einem vielfältigen Programm auf. Das bunte Treiben an allen vier Tagen kann aber nicht überspielen, dass die regionale Landwirtschaft sich mit gewaltigen Problemen konfrontiert sieht.

Von einer »Grünen Woche im Grünen«, auf der man die ländliche Region »riechen, schmecken und erleben kann«, spricht Agrarstaatssekretärin Anja Boudon. Sie kündigt eine vielseitige Leistungsschau an. Die BraLa habe ein Programm für die ganze Familie mit einem »sagenhaften Kuchenbuffet der Landfrauen«. In Zeiten des Klimawandels sei eine klimaschonende Landwirtschaft in der märkischen Streusandbüchse von besonderer Bedeutung, so Boudon. Angesichts des Fachkräftemangels auch in der Landwirtschaft gelte es, die Attraktivität der »grünen Berufe« herauszustellen. Auch wenn im Einzelhandel die Preise für regionale Produkte »in der Regel höher« sind, komme es darauf an, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig der Erhalt einer heimischen Agrarwirtschaft sei. Präsentiert wird unter anderem alte Landtechnik. In einem »grünen Klassenzimmer« bekommen Kinder ein Gefühl und Wissen über die Tierhaltung vermittelt.

Die brandenburgischen Erzeuger haben in die Läden geliefert, als in den Corona-Zeiten »die Regale nicht ganz so voll waren«, erinnert Landrat Roger Lewandowski (CDU). Er mahnt, »mit Vorurteilen aufzuräumen«. Nicht selten entstehe in den Medien der ungerechtfertigte Eindruck, Bauern hätten nur den Profit im Sinn und würden herzlos mit Tieren umgehen. Lewandowski warb dafür, »in der Diskussion zur Sachlichkeit zurückzukehren«.

»Wir können für jeden Geschmack, für jedes Ernährungsziel Partner und Versorger sein«, beteuert Hanka Mittelstädt, Vorstandsvorsitzende des Interessenverbandes pro agro. Der Agrarsektor stelle sich auf Veränderungen im Ernährungsverhalten ein. »Wir sind Arbeitgeber, Steuerzahler, Kulturunterstützer, Sportförderer – vor allem aber die Produzenten guter regionaler Lebensmittel.« Dass dies aber keinesfalls selbstverständlich sei, will Mittelstädt nicht verschweigen. Brandenburgs Bauern haderten damit, wie sie in der Öffentlichkeit und in Teilen der Politik wahrgenommen werden. Sie könne nur davor warnen, Strukturen abzuschaffen, ohne die Konsequenzen zu bedenken, sagt Mittelstädt. Als Beispiel nennt sie die Tierbestände, die »unheimlich sinken«. Und aufgrund der Inflation seien die regionalen Erzeuger in ein tiefes Loch gestürzt, aus dem sie sich nur langsam wieder herausarbeiten konnten.

Auch der Landesbauernpräsident Henrik Wendorff blickt nicht allzu optimistisch in die Zukunft. Die Bauern müssen sich auf einem »brutalen Markt« mit »starken Konzentrationsprozessen« behaupten, sagt er. Der jüngste Eigentümerwechsel beim Wurstwarenhersteller Eberswalder Gruppe werde zu neuen Marktverwerfungen führen, sagt Wendorff voraus. Zu den Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest zählt er, dass es auf der BraLa keine Schweine gezeigt werden. Eine keineswegs theoretische Frage für Brandenburgs Bauern sei die, »welchen Weg das ukrainische Getreide künftig nehmen wird«.

In Polen, Rumänien und anderen Staaten sollte ukrainischer Weizen eigentlich nur nach Afrika durchgeleitet werden, weil der Abtransport über den Schwarzmeerhafen Odessa von der russischen Kriegsmarine blockiert ist. Nun überschwemmte billiger ukrainischer Weizen jedoch die osteuropäischen Märkte. Die Bauern dort bleiben auf ihrem eigenen Getreide sitzen. Ihnen droht die Pleite. In Polen blockierten polnische Bauern zwischenzeitlich schon die Straßen für ukrainische Lastwagen mit Weizen.

Agrarmesse BraLa, 11.-14. Mai von 9-18 Uhr, MAFZ-Erlebnispark in Paaren/Glien, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 7 Euro

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