Ukraine-Krieg: Rheinmetall liefert neue Munition

Russland nennt geplante deutsche Panzerfabrik »legitimes Ziel«

  • Matthias Monroy
  • Lesedauer: 3 Min.
Für den betagten Flugabwehr-Panzer »Gepard« will Rheinmetall insgesamt 300 000 neue Geschosse herstellen, die Anlagen dazu mussten neu entwickelt werden.
Für den betagten Flugabwehr-Panzer »Gepard« will Rheinmetall insgesamt 300 000 neue Geschosse herstellen, die Anlagen dazu mussten neu entwickelt werden.

Rheinmetall hat nach eigenen Angaben 10 000 neue Patronen für den Flugabwehrkanonenpanzer »Gepard« an das ukrainische Militär geliefert, bis Jahresende sollen es 40 000 werden. Einen entsprechenden Auftrag über insgesamt 300 000 Schuss hatte das Verteidigungsministerium im Februar an den in Düsseldorf ansässigen Konzern erteilt.

Mit den 35-Millimeter-Geschossen will die Ukraine Angriffe von russischen Drohnen oder Lenkflugkörpern abwehren. Rheinmetall liefert aber auch 150 000 Patronen, die gepanzerte Fahrzeuge durchschlagen können. Anlagen zur Fertigung existieren nicht mehr und mussten deshalb von Rheinmetall anhand alter Patronen nachgebaut werden.

Der »Gepard« ist beim deutschen Heer seit 13 Jahren außer Dienst gestellt. Alte Bestände auch aus Nato-Staaten werden seit 2022 an die Ukraine abgegeben. Deutschland hat derzeit 46 Exemplare an Kiew geliefert. Weitere sechs sollen folgen. Außerdem erhielt das Land zunächst 76 000 Geschosse für den »Gepard« und weitere Übungsmunition.

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern übernimmt auch die Lieferungen weiterer Kampfpanzer vom Typ »Leopard 1« an die Ukraine. Rund 100 Stück lagert die Schweiz in Italien, will diese aus Gründen der Neutralität aber nicht ins Kriegsgebiet liefern. Diese könnten nun in einem Ringtausch an Griechenland gegeben werden, damit das Land seine eigenen »Leopard« in die Ukraine schicken kann.

Im März 2023 übergab Rheinmetall zudem die ersten von der Bundesregierung beauftragten 20 »Marder« an die Ukraine, weitere 20 werden dazu an den Rheinmetall-Standorten Kassel und Unterlüß überholt. Laut der Firma stünden noch 60 »Marder« zur Verfügung, die ebenfalls aufbereitet werden können. 40 »Marder« werden an Griechenland geliefert, damit die dortige Regierung Schützenpanzer sowjetischer Bauart an die Ukraine abgeben kann.

Mitte August kündigte der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger an, Panzer in der Ukraine warten zu wollen. Der Waffenhersteller hatte hierzu mit dem staatlichen ukrainischen Rüstungskonzern Ukroboronprom im Mai ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet. Rheinmetall will auch die Produktion von Panzern in die Ukraine verlagern und dabei auf »gut ausgestattete Panzerfabriken aus Sowjetzeiten« zurückgreifen. Eine Sprecherin des Außenministeriums in Moskau hatte dazu gedroht, das Werk werde ein »legitimes Ziel« für russische Angriffe sein.

Vergangene Woche kam auch ein von Rheinmetall hergestelltes Feldlazarett in der Ukraine an. Es besteht aus mehreren Dutzend Containern und Zelten, in denen neben Operationssälen auch eine Intensivstation untergebracht ist.

Bis Ende des Jahres will Rheinmetall außerdem Drohnen vom Typ »Luna« an die Ukraine liefern. Das für Aufklärungszwecke vorgesehene System wurde von einem bayerischen Hersteller für das deutsche Heer entwickelt und ist dort seit zwei Jahrzehnten im Einsatz. Rheinmetall hatte die Firma nach einem Insolvenzverfahren übernommen und steigt damit wieder ins Drohnengeschäft ein. Die ukrainischen Streitkräfte erhalten ein modernisiertes Nachfolgemodell der »Luna«. Außerhalb des Militärs sind diese Drohnen auch bei Grenztruppen in Saudi-Arabien im Einsatz.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal